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Huffington Post Germany Athena

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    Beim NSU-Prozess vertrat die Anwältin Opfer.

    ► Eine türkischstämmige Frankfurter Anwältin hat einem Medienbericht zufolge erneut ein mit “NSU 2.0” unterschriebenes Drohfax erhalten.

    ► Wie die “Süddeutsche Zeitung” am Sonntagabend online berichtete, werden darin die Namen ihrer Eltern, ihres Mannes und ihrer Tochter genannt – aller Menschen, die unter ihrer Adresse gemeldet seien.

    ► “So etwas kann man nicht über die sozialen Netzwerke herausfinden”, sagte die Anwältin dem Bericht zufolge. “Und mein Vater ist 79, der ist nicht auf Facebook oder sonstwo aktiv.”

    Wie die Polizei in das Verbrechen verstrickt ist:

    Die Juristin hatte Anfang August 2018 nach Erhalt einer Drohung Anzeige erstattet. In dem Fax mit Absender “NSU 2.0” wurde ihre Tochter mit dem Tod bedroht. Die Frau hatte im Prozess um den rechtsterroristischen “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU) Opfer vertreten.

    Die Behörden fanden heraus, dass Hintergrundwissen über die Anwältin aus dem polizeilichen Informationssystem eines Computers einer Beamtin des 1. Reviers in Frankfurt abgefragt worden war.

    Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde eine mutmaßliche rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei aufgedeckt. Fünf Beamte wurden vom Dienst suspendiert.

    Wieso die Polizei wieder nicht gut aussieht:

    Dem “SZ”-Bericht zufolge wird in dem neuen Fax Bezug auf die Suspendierung genommen, auch die Tochter der Anwältin wird erneut bedroht. “Dir hirntoten Scheißdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast!”, heißt es demnach darin.

    Auch die im Fax enthaltenden Informationen scheinen erneut aus einem Polizeicomputer zu stammen.

    Eine Stellungnahme des hessischen Landeskriminalamts war am späten Sonntagabend nicht zu bekommen.

    (ll)


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    Einmal mehr kommt es am Dienstag zum Showdown im britischen Unterhaus. Die Abgeordneten werden über den zwischen London und Brüssel verhandelten Austrittsvertrag abstimmen. 

    Premierministerin Theresa May hatte die Abstimmung über den Vertrag im Dezember verschoben, weil ihr eine Niederlage drohte. Auch am Montag allerdings ist noch keine Mehrheit für May in Sicht. 

    Am Wochenende sorgte ein Bericht der “Sunday Times” für Aufregung.

    ► Demnach planen Rebellen der Tories einen Coup gegen May, um den Brexit zu verhindern. Laut eines weiteren Medienberichts bereitet sich die EU bereits darauf vor, den EU-Ausstieg der Briten – der für den 29. März geplant ist – zu verschieben. 

    Klar ist: May wird die Abstimmung am Dienstag wahrscheinlich verlieren. Danach eröffnen sich aber für alle Gruppen im Parlament zahlreiche Möglichkeiten. 

    Welche Gerüchte in London die Runde machen und wie es mit dem Brexit wahrscheinlich weitergeht – auf den Punkt gebracht. 

    Wieso die Abstimmung am Dienstag so wichtig ist: 

    Theresa May benötigt 320 Stimmen im Parlament, damit ihr Brexit-Abkommen verabschiedet wird.

    Der Vertrag aber ist hoch umstritten. Er sieht unter anderem einen Mechanismus vor, der das britische Nordirland in einer Zollunion mit der EU hält. Gegner des Abkommens fürchten, dass dieser Zustand auf unbestimmte Zeit hinausgezögert werden könnte. 

    Am Montag erwartet May einen Brief der verbleibenden 27 EU-Staaten mit einer Zusicherung, dass diese “Backstop”-Regelung für Nordirland zeitlich begrenzt sein wird. Aber auch dieser Brief wird Gegner des Abkommens wohl nicht umstimmen. 

    Ohne ein verabschiedetes Abkommen droht ein ungeregelter Brexit. Politisches und wirtschaftliches Chaos wäre die Folge. Neben langen Staus an den Grenzübergängen rechnet die britische Regierung für diesen Fall auch mit Unruhen. 

    Eine Niederlage von May am Dienstag aber muss nicht zwangsläufig zu solch einem ungeregelten Brexit führen. 

    Welche Szenarien es für Dienstag gibt: 

    ► Mays Sieg. Auch wenn es als unwahrscheinlich gilt: Das übersichtlichste Szenario ist sicherlich ein Erfolg von May mit ihren Brexit-Plänen bei der Abstimmung. Zuletzt hatten einstige Gegner des Abkommens signalisiert, den Vertrag doch zu unterstützen.  Wenn May verliert, wird es dagegen unübersichtlich. 

    1. Misstrauensantrag der Labour-Partei. 

    Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte zuletzt noch einmal beteuert, einen Misstrauensantrag gegen May stellen zu wollen und bei einem Erfolg auf Neuwahlen zu drängen. Unklar ist, wann Corbyn den Misstrauensantrag stellen würde. 

    Labour-Chef Corbyn. 

    Entscheidend wird wohl auch sein, mit wie vielen Stimmen die Premierministerin die Abstimmung verliert. Bei einem knappen Ergebnis wäre May zwar angeschlagen, könnte aber weiter auf Rückhalt aus ihrer Partei hoffen. Kommt es zu einem Erdrutsch-Sieg der Abkommensgegner, könnte May gestürzt werden. 

    ► Bei diesem Szenario kommt es vor allem auf die Politiker der nordirischen DUP-Partei auf. Sie unterstützen May, lehnen das Abkommen allerdings ab. Corbyn muss sie überzeugen, die Premierministerin zu stürzen, um erfolgreich zu sein. 

    2. Putsch gegen May. 

    Verliert May, wird sie einen Plan B für den Brexit vorlegen. Der Tory-Rebell Dominic Grieve hatte hierfür die Zeit mit einem Änderungsantrag vergangene Woche verkürzt. 

    Tory-Rebell und EU-Freund Dominic Grieve. 

    ► Grieve gilt auch als Drahtzieher des angeblichen “Coups” gegen May, über den die “Sunday Times berichtet. Demnach haben Abgeordnete der Tories und der Labour-Partei gemeinsam mit John Bercow, dem umstrittenen Sprecher des Unterhauses, einen Plan erarbeitet, der der Regierung ihres Initiativrechts berauben würde. 

    Sie wollen nach einer Niederlage Mays ein Gesetzgebungsverfahren einleiten, um den Brexit aufzuhalten – oder ein zweites Referendum abhalten. 

    3. Aufschub des Brexit. 

    Wenn May verliert, könnte es also Neuwahlen oder ein zweites Referendum geben. In jedem Fall aber wird die Brexit-Frist bis zum 29. März dann nicht reichen. 

    Laut eines Berichts des britischen “Guardians” erwartet die EU bereits, dass London in den kommenden Wochen eine Verlängerung der Austrittsfrist nach Artikel 50 der EU-Verträge beantragen werde. Eine Verlängerung bis Juli wäre demnach möglich. 

    Aber auch dieses Szenario birgt Probleme: Sollte Großbritannien die EU im März nicht verlassen, müssten britische Politiker wohl an den Europawahlen im Mai teilnehmen. Sie könnten in ein Parlament einer Institution gewählt werden, die sie eigentlich verlassen wollen. 

    4. Ein neues Abkommen wird erarbeitet. 

    Möglich ist, dass sich die Abgeordneten im Unterhaus parteiübergreifend auf eine Alternative zum Austrittsabkommen einigen können – und diesen Deal zur Abstimmung bringen. 

    Diskutiert wird unter anderem ein “weicherer Brexit”, also ein Austritt, nach dem Großbritannien sich näher an die EU bindet. Hierauf könnten sich EU-Befürworter unten den Tories und der Labour-Partei verständigen. 

    Auf den Punkt gebracht: 

    Die Aufregung in Großbritannien ist groß vor der entscheidenen Abstimmung im Unterhaus. Am Dienstag wird sich einmal mehr das große Versagen aller Parteien im Parlament zeigen: Für keine Brexit-Option gibt es eine deutliche Mehrheit.

    Weder hat Premierministerin May ihre eigene Partei und ihre Verbündeten mit ihrer Vision des Brexit überzeugen können. Noch hat Labour-Chef Corbyn die Gegner der Premierministerin für sich gewonnen. 

    Ungeregelter Brexit, weicher Brexit, Neuwahlen, zweites Referendum oder kein Brexit: Vieles scheint möglich.  


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    Das Redaktionsgebäude der

    ► Mitglieder der rechtsradikalen Identitären Bewegung haben in mehreren deutschen Städten versucht, in Büros von Parteien und Medien einzudringen.

    ► Im Bürogebäude der Tageszeitung “taz” in Berlin griff ein Mitglied der Identitären dabei einer Mitarbeiterin an den Hals, berichtet die Zeitung. Auch an Büros von Grünen und SPD tauchten die Rechtsradikalen auf.

    ► Die Angreifer im Fall des “Taz”-Büros hatten laut Berichten unter anderem ein Plakat bei sich, das den schwer verletzten AfD-Politiker Frank Magnitz zeigt. Magnitz wurde in der vergangenen Woche in Bremen von Unbekannten angegriffen.

    Zum Hintergrund:

    Der Staatsschutz ermittelt nun wegen Hausfriedensbruchs und gegebenenfalls Körperverletzung. Die rechtsextreme Gruppierung IB wird vom Verfassungsschutz beobachtet, in der Vergangenheit wurden gute Kontakte zwischen Identitären und AfD dokumentiert. 

    (jg)


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    Vor ein paar Wochen ging ein Artikel um. Gleich mehrere Personen schickten mir den Text von Silvia Risch, der in der “Hamburger Morgenpost” erschienen war zu und wollten wissen, was ich davon hielt. Bei einem Blick auf den Titel war mir schnell klar, warum dieser Text für Aufsehen sorgte.

    Risch hatte etwas zur Sprache gebracht, das viele Menschen wütend und fassungslos macht: Sie hatte nicht nur öffentlich zugegeben, dass sie ihre dreijährige Tochter nicht erzieht – sie hatte auch noch andere Eltern dazu aufgefordert, es ihr gleichzutun.

    “Hört auf, eure Kinder zu erziehen!” stand da über einem Artikel, in dem die Mutter erklärte, warum sie ihrer dreijährigen Tochter lieber auf Augenhöhe begegnen möchte und beschrieb, welche positiven Auswirkungen das auf ihr Zusammenleben habe.

    “Unerzogen” ist eine Bewegung, die immer mehr Anhänger findet. Eine wachsende Zahl an Eltern will ihre Kinder nicht länger erziehen. Und immer mehr Experten geben ihnen Recht.

    Kinder brauchen doch Regeln – oder?!

    Ich muss sagen, dass mir der Gedanke anfangs absurd vorkam. Kinder nicht erziehen? Wie sollte das funktionieren? Und was würde das für die Kinder bedeuten?

    In meiner Vorstellung sah ich halbnackte Kinder mit Filzstiften in der Hand Amok laufen, während ihre Eltern ihnen milde lächelnd dabei zusahen.

    Doch ich hatte den Gedanken von Unerzogen falsch verstanden.

    Der Grund, warum manche Eltern das Konzept Erziehung ablehnen, ist, dass sie es als gewaltvoll empfinden.

    Die Kinderrechtsaktivistin und Bloggerin Aida S. de Rodriguez sagte in einem Interview mit der Zeitschrift “Eltern”:

    Der Gedanke, dass ein Mensch einem anderen Menschen vorschreiben darf, wie er zu sein hat, nur weil zwischen diesen beiden Menschen ein Altersunterschied besteht, ist in unserer Gesellschaft so tief verankert, dass uns die tiefe Ungerechtigkeit darin oft gar nicht mehr auffällt.”

    Rodriguez bezeichnete Erziehung in dem Interview als “gemein”, “diskriminierend” und als “Machtmissbrauch” gegenüber Kindern.

    Wenn wir Kinder erziehen, machen wir sie zu Objekten

    “Natürlich ist für Kinder wichtig, dass wir uns um sie kümmern und sie ins Leben begleiten”, sagte Rodriguez.  “Doch solange wir sie dabei erziehen, machen wir sie zu Objekten, die wir in unserem Sinne formen.”

    Ich hatte Erziehung bisher nicht als etwas Negatives empfunden, sondern als etwas, das wir wohlüberlegt und im liebevollsten Sinne unseren Kindern angedeihen lassen, weil wir uns wünschen, dass sie glückliche Menschen werden.

    Doch dieser letzte Satz hallte in meinen Gedanken nach. Er erinnerte mich an etwas, das der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther mir einmal gesagt hatte:

    “Wenn ein Kind zum Objekt elterlicher Erwartungen, Wünsche, Ziele, Vorstellungen oder Maßnahmen gemacht wird, dann zerreißt das Band des Vertrauens und der Verbundenheit zu den Eltern.”

    Hüther meinte, dass wir die Würde eines Kindes verletzen, wenn wir versuchen, es nach unseren Vorstellungen zu formen.

    Für das Kind bedeute das großen Schmerz, denn es könne den Eindruck gewinnen, dass es nur geliebt werde, wenn es den Erwartungen seiner Eltern entspreche – nicht aber um seiner Selbst willen.

    “Die meisten Kinder reagieren auf diesen Schmerz, indem sie sich anstrengen, das zu machen und so zu werden, wie ihre Eltern das wollen”, sagte Hüther.

    “Wenn die Kinder sich derart verbiegen, ist der Schmerz zwar vorbei, aber sie führen im Grunde nie ein glückliches Leben, weil sie nie loslassen können. Sie sind immer unter Anspannung und müssen sich immer zu anstrengen”, sagte der Hirnforscher.

    Und jetzt verstand ich es: Erziehung kann tatsächlich als eine Form von Gewalt betrachtet werden. Sogar dann, wenn sie gut gemeint ist.

    Denn die Botschaft, die am Ende bei einem Kind ankommt ist: Ich möchte, dass du dich auf eine bestimmte Weise verhältst – du sollst so sein, wie ich es möchte, nicht so, wie du bist.

    Aber wir wollen doch nur das Beste für unser Kind!

    In den Kommentaren unter dem Text von Silvia Risch und auch unter dem Interview mit Aida S. de Rodriguez sind viele wütende und ungläubige Kommentare zu finden. Die meisten Eltern wehren sich – verständlicherweise – gegen die Vorstellung, dass Erziehung etwas Schlechtes sein könnte.

    Denn die meisten Eltern wollen schließlich nur das Beste für ihr Kind. Sie wollen, dass es glücklich ist. Sie wollen, dass es erfolgreich und beliebt ist. Sie wollen, dass es gesund ist. Und das ist wunderbar.

    Aber möglicherweise vergessen sie in ihrem Eifer, die Wünsche und Vorstellungen des Kindes zu berücksichtigen und es als den Menschen zu akzeptieren, der es ist – ohne ihn verändern zu wollen.

    “Erziehung ist nicht so nett gemeint, wie sie klingt”, sagte mir Ruth Abraham am Telefon. Abraham ist Soziologin, Mutter von drei unerzogenen Kindern und Gründerin des Blogs Derkompass.org.  

    “Die Grundunterstellung von erzieherischem Denken ist, dass ich jemanden ändern muss, weil es so, wie er ist, nicht richtig ist. Und das ist die Definition von Gewalt. Aber das ist den meisten Eltern überhaupt nicht bewusst.”

    Abraham erklärte mir, dass Eltern ihre Kinder vor allem deshalb erziehen, weil sie Ängste haben.

    Die Angst vor den kleinen Tyrannen

    Viele Eltern würden zum Beispiel befürchten, dass ihre Kinder zu kleinen Tyrannen werden, wenn sie ihnen zu viel durchgehen lassen.  

    Alle Tyrannen, die wir heute auf der Welt haben, wurden erzogen”, erwiderte Abraham. “Wenn man irgendeine Gemeinsamkeit finden kann bei Straftätern, oder bei Menschen, die sich psychopathisch verhalten, dann ist das nicht das Fehlen von Erziehung. Sondern es ist Gewalt.”

    Okay, das stimmt wahrscheinlich. Aber wenn ich mein Kind nicht erziehe, muss ich dann nicht befürchten, dass es Schwierigkeiten haben wird, sich in einer Gesellschaft voller Regeln, Grenzen und Gesetzmäßigkeiten zurechtzufinden? Abrahma sagt:

    “Wenn ich wirklich Zweifel an der Fähigkeit meines Kindes habe, sich sozial zu verhalten, dann muss ich es erziehen. Allerdings widerspricht das allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die wir haben. Denn die Wissenschaft sagt, dass Menschen von Anfang an soziale Wesen sind und immer fähig zu verstehen, was die Regeln in ihrem Umfeld sind.”

    So sieht es auch der bekannte Familientherapeut Jesper Juul. Von ihm stammt der Satz: “Kinder brauchen nichts als die Gegenwart von Erwachsenen, die sich menschlich und sozial verhalten.”

    Das bedeutet zum Beispiel, dass man einem Kind nicht beibringen muss, bitte und danke zu sagen. Jedes Kind wird von alleine lernen, sich höflich zu verhalten, wenn es dieses Verhalten bei den Menschen beobachtet, die ihm am nähesten sind.

    Auch Kinder sind Menschen 

    Es erfordert ein wenig Übung und auch ein gewisses Umdenken, wenn wir unseren Kindern friedvoll begegnen wollen. Denn fast jeder Mensch, der heute Kinder hat, ist von seinen eigenen Eltern erzogen worden. Wir kennen es gar nicht anders. Viele von uns finden es deshalb okay, Kinder auf gewisse Weise zu unterdrücken.

    Wer das ändern möchte, muss zunächst akzeptieren, dass Kinder Menschen sind, die Würde und Respekt verdienen.

    Nur weil Kinder kleiner und unerfahrener sind als Erwachsene und noch dazu von ihnen abhängig, sollten sie nicht schlechter behandelt werden.

    Warum sollten wir denn mit einem Kind, das wir lieben, anders umgehen als zum Beispiel mit einem Partner, den wir lieben?

    Der Bindungsforscher Karl Heinz Brisch sagte mir einmal:

    “Wenn Sie in Erwägung ziehen, Ihrem Kind gegenüber irgendeine ‘Methode’ anzuwenden, dann überlegen Sie zuerst, ob Sie etwas Entsprechendes mit Ihrem Partner tun würden. Lautet die Antwort ‘Nein’, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine schlechte Idee – es sei denn, Sie würden zu jenen Erwachsenen gehören, die immer noch nicht einsehen wollen, dass es sich bei Kindern um richtige Menschen handelt.”

    Würden wir von unserem Partner erwarten, dass er sich immer so verhält, wie wir es gerade wollen, würde die Beziehung vermutlich schnell darunter leiden.

    Stellt euch vor, ihr würdet eurem Partner eine Zahnbürste in den Mund schieben, obwohl er ganz klar gesagt hat, dass er das nicht möchte. Wie würde euer Partner reagieren, wenn ihr ihm den Nachtisch verbietet, nur weil er euren Broccoli-Auflauf nicht essen mochte?

    Mehr Frieden für unsere Beziehungen

    Anders als Lebenspartner, die wir uns selbst wählen, können Kinder sich ihre Eltern nicht aussuchen. Sie müssen jede Behandlung von ihnen akzeptieren. Und weil sie sie bedingungslos lieben, sind sie meistens sogar bereit, sich so zu verbiegen, wie sie es wollen.

    Als Eltern sollten wir uns deshalb immer wieder bewusst machen, wie viel Macht wir haben und uns gut überlegen, wie wir sie einsetzen wollen.

    Das bedeutet aber nicht, dass wir nie wieder Nein sagen, oder jedem Konflikt aus dem Weg gehen sollten. Es bedeutet nur, einen Konflikt auf Augenhöhe auszutragen und dabei Kompromisse und Lösungen zu finden, die für beide Seiten akzeptabel sind.

    Denn wenn immer nur der Stärkere gewinnt, gerät jede Beziehung ins Ungleichgewicht. Auch die zu unseren Kindern.

    (ujo)


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    • In den Alpen spitzt sich die Lage weiter zu und erreicht ihren Höhepunkt.
    • In zehn Landkreisen wird vor extremem Unwetter gewarnt und die Lawinenwarnstufe wurde in Österreich auf die höchste Stufe gesetzt.
    • Im Video oben seht ihr, welche Regionen betroffen sind.

    In den Alpen bleibt die Lage weiter angespannt: Es schneit den ganzen Montag weiter – mit Schwerpunkt im Allgäu sowie in Vorarlberg. Auch abseits der Alpen kommt es zu Unwetter. Im Osten stürmt es, in Süddeutschland steigen die Pegel der Flüsse. Dadurch kommt es zu Hochwasser.

    In den Alpen fällt bis zu einem halben Meter Neuschnee  

    Im Allgäu kommen am Montag zu dem Neuschnee, der bis Montagmorgen in den Bergen gefallen ist, nochmals bis zu einem halben Meter Schnee dazu. Das hat zur Folge, dass noch mehr Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten werden. Noch dazu ist die Lawinenwarnstufe sehr hoch oder extrem hoch.

    Hochwasser – zweithöchste Warnstufe in Bayern ausgerufen

    In Süddeutschland sind durch das Tauwetter und den Regen vom Wochenende die Flüsse vollgelaufen. In Bayern wurde Meldestufe Drei erreicht, in Franken wird mit gesperrten Straßen und vollgelaufenen Kellern gerechnet. Auch im Schwarzwald kommt es zu Hochwasser. Dadurch könnten Überflutungen eintreten, wie sie sonst nur alle 10 Jahre vorkommen.

    Der Osten kämpft mit Sturmböen von bis zu 80 km/h

    Weiterhin kommt es zu Schneeschauern, die sich an den Nordflanken der Mittelgebirge stauen. Es kommt Neuschnee von bis zu zehn Zentimeter zusammen. Während es im Westen meist nur etwas windig ist, stürmt es im Osten. Hier sind Winde von bis zu 80 km/h möglich.Die stärksten Winde gibt es an der Ostseeküste. Vorsicht: Äste können von den Bäumen abbrechen.

    In der Nacht zu Dienstag lässt der Schneefall an den Alpen spürbar nach. Die Wolken reißen auf, doch es kommt noch zu kurzen Schneeschauern, ehe gegen Morgengrauen der Schneefall endgültig aufhört.

    Im Norden und Osten fällt leichter Regen oder Schnee – es kann glatt werden in der Nacht. Die Tiefstwerte liegen zwischen +3 Grad in Emden und -2 Grad in München. Aber Vorsicht, in den Alpentälern kann die Temperatur über Schnee auch auf bis zu -15 Grad fallen.

    Neuer Schneefall in den Alpen ab Donnerstag

    Am Dienstag beginnt sich die Schneelage an den Alpen zu entspannen. Die Hochwasser bleiben noch bis Mittwoch bestehen. Im Norden und Osten hält sich leichter Regen, Schneeregen oder Schnee. In den Alpen scheint die Sonne.

    Auch am Mittwoch bleibt es bei leichtem Regen im Norden und Osten und milden Temperaturen. Ab Donnerstag wird es wieder ungemütlicher mit Regen und Schneeregen, der sich aus Nordwesten ausbreitet. An den Alpen schneit es wieder, diesmal aber nur wenige Zentimeter.

    Die besten Vorhersagen für Ihren Ort finden Sie auf weather.com.

    (nmi)


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    Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz (53) ist an den Folgen eines Messerangriffs gestorben. Der 53-Jährige erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen, wie der Gesundheitsminister Lukasz Szumowski am Montag im polnischen Fernsehen TVN24 bestätigte.

    Bis zuletzt hatten Ärzte des Danziger Universitätsklinikums um das Leben des parteilosen Bürgermeisters gekämpft, nachdem dieser am Sonntagabend auf offener Bühne bei einer Spendenveranstaltung von einem Angreifer mit einem Messer niedergestochen worden war. Die Klinge war nach Behördenangaben fast 15 Zentimeter lang.

    Was über den Tatverdächtigen bekannt ist: 

    Der Tatverdächtige – ein 27-jähriger Danziger – habe aus niederen Beweggründen gehandelt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak.

    Hinter der Tat wurde Rache vermutet. Der Mann soll gerufen haben, dass er unschuldig in Haft gewesen sei, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Ermittler schlossen eine psychische Erkrankung des Angreifers nicht aus.

    Der Mann ist polnischen Behörden zufolge bereits vorbestraft und hatte wegen einer bewaffneten Banküberfallserie schon fünfeinhalb Jahre in Haft gesessen. Berichten zufolge war er erst im Dezember freigekommen.

    Was ihr über Adamowicz wissen müsst: 

    Adamowicz gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an. Nach Angaben des Innenministeriums wurde er nach dem Angriff zunächst reanimiert. Anschließend sei er im Krankenhaus fünf Stunden lang operiert worden, sagte sein behandelnder Arzt Tomasz Stefaniak. Adamowicz hatte demnach Verletzungen an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauchraum erlitten und viel Blut verloren.


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    Herzogin Meghan hat bei einem royalen Event darüber gesprochen, wann ihr Baby zur Welt kommen wird.

    • Herzogin Meghan hat bei einem offiziellen Termin verraten, wann sie ihr Baby bekommen wird.
    • Auch zum Geschlecht hatte die Royal etwas zu sagen. 

    Das Warten hat für Royal-Fans bald ein Ende. Seitdem im Oktober 2018 verkündet wurde, dass Herzogin Meghan schwanger ist, spekulieren Medien und Experten auf der ganzen Welt, wann es denn so weit sein könnte.

    Auf einem heutigen royalen Termin im englischen Birkenhead ließ die Herzogin vor tausenden Fans die Bombe platzen und verriet, wann ihr Baby voraussichtlich zur Welt kommen wird. 

    Meghan verrät Geburtstag des Babys

    Bei dem royalen Event hielten Meghan und Harry einen Plausch mit ihren Fans. Dabei habe die Herzogin einem Fan verraten, dass sie das Baby voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai bekommt.

    Darüber berichtet die britische Boulevardzeitung “Express”.

     

    Außerdem habe Meghan ausgeplaudert, dass sie im sechsten Monat schwanger sei. Damit dürften die Gerüchte um einen früheren Geburtstermin auch aus der Welt sein.

    Geschlecht des Baby-Royals angeblich unbekannt

    Laut “Express” habe das Paar sogar über das Geschlecht des ungeborenen Babys gesprochen. Dabei hätten beide jedoch betont, dass sie selbst nicht wüssten, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden wird. 

    Und selbst wenn sie es wüssten, würden sie es nicht verraten. Denn: Es soll eine Überraschung bleiben. Darauf werden wir wohl alle bis zur der Geburt des Babys warten müssen.  

    Kate soll nicht die Patentante werden

    Mehrere Royal-Experten sagten dem “Express”, dass Schwägerin Herzogin Kate nicht die Patentante des ungeborenen Babys werden soll. Stattdessen spekulieren viele der Experten auf alte Schauspielkollegen der Royal als möglichen Paten. 

    Wenn das Baby tatsächlich Ende April kommt, ist es sogar möglich, dass der royale Nachwuchs sich seinen Geburtstag mit Urgroßmutter Königin Elisabeth II. teilt. Denn: Die Queen hat am 21. April Geburtstag.

    (nmi)


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    • Ein Mann versucht auf einer verschneiten Straße einen Hund zu treten.
    • Zwar gelingt es ihm, doch die Strafe folgt sogleich.
    • Im Video oben seht ihr die ganze Szene.

    In leichten Schlangenlinien läuft ein Mann im russischen Revda nahe Jekaterinburg nach Hause. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Hund auf und steuert auf den Mann zu.

    Der Mann reagiert sehr schnell und versucht nach dem Tier zu treten - doch der Versuch misslingt.

    Zwar erwischt der Mann das Tier am Hals. Doch der Schäferhund setzt seinen Weg recht unbeeindruckt fort und verschwindet in der Dunkelheit.

    In den Kommentaren ergreift ein Großteil der Nutzer der Videoplattform Youtube Partei für den Hund. So schreibt einer: “Der Hund kam nicht angerannt. Ich hoffe es geht ihm gut.

    Einige verteidigen jedoch auch den Mann und vermuten, dass er Angst vor dem Tier hatte. Ein andere schreibt: “Ich denke, der Mann war betrunken, hat sich erschrocken, als er den Hund sah und hat ihn aus Angst getreten.”

    (nr) 


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    Depressionen können Angehörige jeder Gesellschaftsschicht treffen – wer über mehr finanzielle Mittel verfügt, wird wahrscheinlich besser mit der Krankheit umgehen können. (Symbolbild)

    In Diskussionen über höhere Gesellschaftsschichten oder Reichtum in Verbindung mit psychischer Gesundheit haben viele Menschen schnell das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen. Das hat mir vor kurzem eine Auseinandersetzung auf Twitter über das “Klassenproblem” wieder bewiesen.

    Normalerweise bringe ich mich in solche Diskussionen nicht ein – dieses Mal aber habe ich auf einen Tweet geantwortet, in dem stand: Depressionen fühlen sich nicht weniger schlimm an, nur, weil man zur Mittelschicht gehört. 

    Meiner Meinung nach ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht durchaus entscheidend, wenn wir über psychische Gesundheit sprechen, ich schrieb also zurück:

    “Wer zur gesellschaftlichen Mitte gehört, erhält oftmals mehr Unterstützung und hat so eine bessere Chance, zu genesen. Mein Sicherheitsnetz hat mir zum Beispiel sehr geholfen. Ich konnte in Therapie gehen, weil ich es mir leisten konnte. Ich wusste: Auch wenn ich nicht in der Lage bin, arbeiten zu gehen, wird alles gut werden.”

    Mehr zum Thema: Ich habe 9 Mal versucht, mich umzubringen – warum ich immer noch am Leben bin

    Und dann passierte etwas Spannendes. Ich bekam zahlreiche Antworten, in denen Menschen sich verteidigten.

    Ein User zum Beispiel meinte, es mache keinen Unterschied, über welche finanzielle Ressourcen der Betroffene verfügt. Ein anderer schrieb, es wäre sinnlos, über Klassenunterschiede zu sprechen, wenn jemand gerade eine depressive Phase erlebt. 

    Therapieplätze sind nicht für jeden zugänglich

    Aber ich meine, wir müssen uns mit Klassenunterschieden auseinandersetzen – denn sie haben einen großen Einfluss darauf, ob und wie zugänglich Therapiemöglichkeiten für Betroffene sind. 

    Depressionen sind selbstverständlich auch für Angehörige der Mittelschicht furchtbar. Ich kann nachvollziehen, dass sich aus diesem Grund viele Menschen unwohl dabei fühlen, wenn sie über den Zusammenhang von Klasse und psychischer Gesundheit sprechen. Das ergibt Sinn. 

    Schließlich müssen sich viele finanziell und gesellschaftlich besser gestellte Menschen regelmäßig anhören: “Warum solltest du schon depressiv sein?”.

    Sätze wie dieser kommen oftmals von Menschen, die nicht verstehen, wie Depressionen als Krankheit funktionieren. Dabei handelt es sich nicht um eine Einstellung, die repariert werden kann.

    Jemandem zu erzählen, dass er schließlich zur Mittelschicht gehört und somit nichts zu befürchten hat, wird dem Betroffenen auch nicht helfen.

    Mehr zum Thema: Wie es ist, mit einer Depression zu leben, wenn dir keiner glaubt

    Das bedeutet allerdings nicht, dass wir bestimmte Privilegien bei der Diskussion über psychische Gesundheit ignorieren sollten oder könnten. Jeder kann an Depressionen erkranken – wer zu einer höheren Gesellschaftsschicht gehört, ist deswegen nicht automatisch mit einer besseren Gesundheit gesegnet. 

    Allerdings gibt es entscheidende Zusammenhänge zwischen gesellschaftlicher Schichtzugehörigkeit und psychischer Gesundheit. Diese müssen wir verstehen lernen, um Betroffene besser unterstützen zu können – und um den finanziell schwächer gestellten Mitgliedern unserer Gesellschaft besseren Zugang zu Behandlungsmethoden zu gewähren.

    1. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Armut und Depressionen

    Menschen, die in Armut leben, erkranken eher an Depressionen als Reiche. Laut einer Studie des Berlin-Instituts werden Gesundheit und Lebenserwartung “wesentlich von zwei Faktoren bestimmt: dem Sozialstatus und dem Bildungsgrad”.

    Dazu gehört auch die psychische Gesundheit: Menschen mit niedrigerem sozioökonomischen Status empfinden Stress stärker als solche, die einer besser gestellten Schicht angehören. Chronischer Stress wiederum erhöht das Risiko, an Depressionen und anderen psychischen Störungen zu erkranken, heißt es weiterhin in der Studie.

    2. Armut kann eine Konsequenz von psychischer Erkrankung sein

    Armut kann auch eine Konsequenz psychischer Leiden darstellen. Obwohl viele Menschen trotz Depressionen oder anderer psychischer Krankheiten weiterhin zur Arbeit gehen, ist das anderen Betroffenen nicht möglich. 

    Laut eines Berichts der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) stellen psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit dar: So mussten sich im Jahr 2017 über 71.000 Menschen wegen seelischer Leiden erwerbsunfähig melden und in Rente gehen. 

    3. Finanzielle Ressourcen spielen eine Rolle bei der Behandlung

    Wer aufgrund einer psychischen Erkrankung auf einen Therapieplatz wartet, muss mit teils sehr langen Wartezeiten rechnen – gerade in ländlichen Gebieten sind ein halbes oder ganzes Jahr keine Seltenheit.

    Wer bei einem Kassentherapeuten keinen Platz bekommt, kann sich immer noch privat einen Behandlungsplatz suchen – sofern man sich das leisten kann.

    Wenn eine Therapie von der Krankenkasse übernommen wird, können noch versteckte Kosten auf einen zukommen. Letztes Jahr zum Beispiel stand ich auf einer Warteliste für eine Trauma-Therapie. Nach neun Monaten bekam ich den Platz schließlich – allerdings war das nächste Therapiezentrum 40 Minuten von meinem Arbeitsplatz entfernt.

    Es gab keine Termine außerhalb meiner Arbeitszeiten, nicht einmal am frühen Morgen oder späten Nachmittag. Das heißt, ich musste jede Woche zwei Stunden und 20 Minuten meiner Arbeitszeit für die Therapie opfern. 

    Ich hatte immerhin Glück. Mein Chef hat mir erlaubt, meine Stunden flexibel einzuteilen, sodass ich drei Monate lang jeden Mittwochnachmittag zur Therapie gehen konnte. Wenn ich am selben Tag allerdings noch zur Arbeit fahren und Meetings besuchen musste, musste ich en Taxi nehmen, das mich jedes Mal ungefähr 12 Euro pro Fahrt gekostet hat. 

    Wie viele Menschen können sich das schon leisten? Wie viele Arbeitgeber machen sowas schon mit? Wer kann sich schon regelmäßig den Nachmittag freinehmen, um zur Therapie zu gehen? Wie viele Menschen müssen noch weitere Kosten einplanen, zum Beispiel für die Fahrt oder eine Kinderbetreuung?

    Ihr seht, worauf ich hinaus will: Eine Behandlung in Anspruch nehmen zu können, hängt auch immer mit unseren finanziellen Möglichkeiten zusammen. 

    4. Wer privilegiert ist, hat es einfacher, die Depression zu bekämpfen

    Wer eine depressive Episode erleidet, hat das Gefühl, geradezu in Flammen zu stehen. Der Mittelschicht anzugehören, wird das Feuer nicht aufhalten. 

    Genauso wie ein loderndes Feuer zerstört die Depression alles, was einem lieb ist – sie ist schrecklich, furchterregend und schwächt alles und jeden, der mit den Flammen in Berührung kommt, ob arm oder reich.

    Jede Chance, die Depression zu bekämpfen, fühlt sich an wie kleine Tropfen Wasser, die die Flammen nach und nach löschen.

    Armut wirkt allerdings so, als würde man Öl ins Feuer gießen. 

    Und deswegen sollten wir uns Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen Armut auf Depressionen und ihre Behandlungsmöglichkeiten hat. Wenn jemand finanziell schwächer gestellt ist, verfügt er vielleicht nicht über dieselben Wassermengen, um die Flammen zu löschen. Stattdessen zehrt der Brand von finanzieller Unsicherheit, beruflichen Risiken, Armut. 

    Über das alles müssen wir offen sprechen. Denn es ist wichtig, festzuhalten, dass jeder Mensch, der von Depressionen betroffen ist, unterschiedliche Hürden nehmen müssen, um zu heilen. Wenn wir über psychische Gesundheit diskutieren, müssen wir auch über Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Wohlstand reden. 

    Meine Genesung wurde von meiner sozioökonomischen Stellung begünstigt. Das hat meine Situation zwar nicht unbedingt leichter gemacht. Auch war die Heilung nicht garantiert, denn psychische Gesundheit hängt von mehr ab, als den äußeren Umständen: Sie hängt auch ab von biochemischen Vorgängen im Körper, von Hormonen – es handelt sich schließlich um eine Krankheit.

    Meine finanziellen Vorteile und meine gesellschaftliche Stellung jedoch haben mir zumindest ein paar Eimer voller Wasser mehr zur Verfügung gestellt, um die Flammen der Depression zu löschen. 

    Das motiviert mich, auch für die Menschen zu kämpfen, deren Brand ständig mit Öl genährt wird. 

    Dieser Text erschien ursprünglich in de HuffPost UK und wurde aus dem Englischen übertragen sowie redaktionell angepasst von Agatha Kremplewski.

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    2017 verhängten die Jobcenter fast eine Million Sanktionen. 

    Seit Monaten diskutieren die Parteien über das Arbeitslosengeld II, gemeinhin als Hartz IV bekannt, und dessen wohl umstrittenstes Instrument: die Sanktionen. 

    Am Dienstag könnte das Bundesverfassungsgericht der Politik zuvorkommen und Tatsachen schaffen: Die Richter in Karlsruhe überprüfen, ob Jobcenter Hartz-IV-Beziehern die Leistungen kürzen dürfen, wenn diese nicht kooperieren oder einen Termin verpassen. 

    Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts berührt die zentralen Fragen der Hartz-IV-Diskussion: Wie viel Druck darf das Jobcenter auf die Leistungsbezieher ausüben? Wie viel Leistung darf und muss der Staat den Menschen ohne Arbeit oder in prekären Arbeitsverhältnissen überhaupt bereitstellen? 

    Das Sozialgericht im thüringischen Gotha, das die Überprüfung in Karlsruhe angestoßen hat, argumentiert, dass der Staat das menschenwürdige Existenzminimum in Form von Hartz IV abdecken muss. Das Minimum aber dürfe nicht weiter gekürzt werden. 

    Die Verteidiger von Sanktionen setzen dagegen, dass das Instrument unabdingbar für die Jobcenter sei. “Was soll denn ein Vermittler tun, wenn ein Arbeitsloser mehrfach nicht zum Termin erscheint?”, sagte kürzlich Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit. 

    Wer allerdings die Geschichten von sanktionierten Hartz-IV-Empfängern kennt, weiß: Eine Abschaffung der Sanktionen allein würde viele Problemen, mit denen sich Leistungsbezieher herumschlagen müssen, wohl nicht beseitigen. 

    Wir haben einige der absurdeste Sanktionsgeschichten, über die wir berichtet haben, gesammelt und aufgeschrieben, welche Lehren sie bieten. 

    1. “Das Arbeitsamt hat mich bestraft, weil ich einen Schlaganfall hatte”

    Der Hartz-IV-Empfänger Aron verpasste den Termin für eine Weiterbildungsmaßnahme – weil er einen Schlaganfall hatte.

    Für Dezember 2017 habe er eine 80-prozentige Sanktion erhalten, berichtet der alleinerziehende Vater in einem Blog. Kurz vor Weihnachten seien ihm so nur noch 163 Euro geblieben. 

    Wenn Hartz-IV-Empfänger unentschuldigt einen Termin verpassen, kann das Jobcenter sie mit einer Sanktion belegen. Aron hatte keine Chance mehr, sich zu entschuldigen. Nach dem Schlaganfall landete er im Krankenhaus. 

    Natürlich muss sich das Jobcenter an die vorgegebenen Regeln halten. Aron aber war, ebenso verständlich, wütend: “Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Allerdings nicht damit, dass mich das Jobcenter bestrafen würde, weil ich am Tag meines Schlaganfalls meinen Weiterbildungstermin nicht wahrgenommen hatte”, schreibt er. 

    2. Junge wird wegen seiner Messi-Eltern sanktioniert

    Über eine besonders emotionale Geschichte eines Jugendlichen berichtet die Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin und Aktivistin Inge Hannemann: Der Junge sei nicht zu einem Beratungstermin des Jobcenters erschienen, der Hartz-IV-Satz wurde ihm komplett gestrichen. 

    In gut drei Viertel der Fälle werden Betroffene sanktioniert, weil sie einen Termin beim Jobcenter versäumen. 

    Erst in einem längeren Gespräch habe Hannemann herausgefunden, warum der Junge den Termin verpasste. Weil seine Eltern am Messie-Syndrom litten und die Wohnung vernachlässigten, übernachtete er meist bei Freunden. “Die Post vom Jobcenter leiteten die Eltern ihm nie weiter, er wusste also nicht einmal von der Existenz der Briefe”, schreibt die Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin. 

    Zum Termin sei er erst erschienen, als Hannemann ihm eine SMS schickte. 

    In ihrem Blog beschreibt die Aktivistin das in ihren Augen zentrale Problem mit Sanktionen bei Fällen des Jungen mit den Messi-Eltern:

    “In solchen Fällen muss man oft ein wenig kreativ denken und vor allem sehr geduldig sein. Als Jobcenter-Mitarbeiterin habe ich gezielt Jugendliche als Kunden zugewiesen bekommen, die als ‘schwierig’ galten: die nicht zu Terminen oder Weiterbildungsmaßnahmen erschienen. Die aggressiv waren. Die bereits sanktioniert worden waren. Dabei brauchten diese Jugendliche in den meisten Fällen vor allem eines: Zeit. Und gerade an der mangelt es den Jobcenter-Mitarbeitern.

    Was ich stattdessen im Jobcenter erlebt habe, ist eine unglaubliche Fixierung auf Effizienz und Zahlen: Durch die Quoten, die uns vorgegeben wurden, hatten wir oft nicht die Möglichkeit, so umfassend mit unseren Kunden zu arbeiten, wie es notwendig gewesen wäre.”

    3. Weil sie ihren Vater pflegt, streicht das Jobcenter ihr Hartz IV

    Der Rechtsanwalt Philipp Hammerich berichtet in der HuffPost von dem Fall von Nadja. Als Anfang 2017 ihr Vater in Tschechien schwer krank geworden sei, sei sie zu ihm gereist, um sich um ihn eine Weile zu kümmern. 

    Als das Jobcenter von der Ortsabwesenheit erfahren habe, habe es die gesamte Leistung für die sogenannte Bedarfsgemeinschaft, den Haushalt Nadjas und ihres Ehemanns, gekürzt, rund 1400 Euro im Monat. 

    Vor allem Sozialgericht legte das Ehepaar Widerspruch gegen die Sanktion ein und beantrage Rechtsschutz. Sie bekamen Recht – das Jobcenter musste ihnen das Geld zurückzahlen.  

    Was die Geschichten zeigen

    So verschieden die Schicksale der Hartz-IV-Empfänger sind, ihre Geschichten haben eines gemeinsam: Sie sind Beispiele dafür, wie Leistungsempfänger leiden, weil die Kommunikation zwischen ihnen und den Mitarbeitern der Jobcenter nicht funktioniert. 

    Wenn Termine wegen einer Erkrankung nicht wahrgenommen werden können, wenn Briefe nicht bei den Hartz-IV-Empfängern ankommen oder wenn Notfälle das Leben der Menschen durcheinander wirbeln – dann können Sanktionen die Betroffenen ungerecht treffen und ihnen schwer schaden. 

    In einer Online-Umfrage der Sozial­initiative Tacheles gaben 58 Prozent der Betroffenen und 52 Prozent der Beratungsstellen an, Fälle zu kennen, bei denen Hartz-IV-Bezieher wegen Kürzungen ihre Wohnung verloren. Das berichtet Tacheles-Vorstand Harald Thomé am Montag der “taz”. 

    ► Sanktionen können Hartz-IV-Empfänger massiv gefährden. 

    In vielen Fälle aber würde es vermutlich gar nicht so weit kommen, würde die Zusammenarbeit zwischen Jobcenter-Mitarbeiter und Kunden, wie Jobcenter die Menschen, die zu ihnen komme, nennen, besser klappen. Dafür braucht es Vertrauen, auch auf beiden Seiten, und vor allem Zeit. 

    “Man muss dranbleiben. Man muss geduldig sein. Man muss auch mal unkonventionelle Ideen umsetzen”, schreibt Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin Hannemann. 

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    Lena Meyer-Landrut wieder Single – das sagt sie zur Trennung

    • Aus und vorbei: Sängerin Lena Meyer-Landrut hat sich von ihrem Max getrennt.

    • Auf Instagram gab sie die Trennung mit wenigen Worten bekannt.

    Lena Meyer-Landrut ist wieder Single! Auf Instagram hat die 27-jährige Sängerin die Trennung von ihrem Freund Max bekanntgegeben. 

    Die beiden waren acht Jahre ein Paar. In dem sozialen Netzwerk schrieb Lena Meyer-Landrut:

    „Bevor es von der Presse thematisiert oder anderweitig nach außen getragen wird, möchte ich euch hier kurz mitteilen, dass Max und ich nicht mehr zusammen sind.“

    Dazu postete sie ein Bild, das flache Wellen und einen sonnigen Himmel zeigt.

    Den Grund ihrer Trennung verrät Lena Meyer-Landrut nicht.

    Lena Meyer-Landrut und Max waren acht Jahre zusammen

    Allerdings schreibt sie: „Ich bin für die letzten 8 Jahre unglaublich dankbar und freue mich all das mit in eine neue Zukunft nehmen zu können.“


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    Hygge – das Wort ist vielen bekannt, doch was genau es bedeutet, weiß sicherlich nicht jeder. Gemütlichkeit? Kommt der Sache schon recht nah, aber so ganz trifft es den kompletten Umfang des Trends aus Skandinavien noch nicht. Wir erklären dir gemeinsam mit unserem Partner Color Line, was Hygge ausmacht und wie du das ganz spezielle Hygge-Gefühl in deinen Alltag integrieren kannst.

    In den nordischen Ländern ist es im Winter oft sehr kalt und ab Mitte November leben die Skandinavier quasi fast ohne natürliches Sonnenlicht. Doch wer jetzt denkt, dass das auf die Stimmung der Norweger, Schweden & Co. drücken könnte, irrt gewaltig.

    Denn die Skandinavier verstehen es mit ihrer Nationalphilosophie Hygge so gut wie niemand anderes, ihre innere Balance zu finden und Achtsamkeit sowie Gemütlichkeit in die kleinsten Momente des Alltags zu bringen. Doch wie genau funktioniert Hygge eigentlich?

    Was Hygge ausmacht

     Das Wort „Hygge“ (ausgesprochen „Hügge“) stammt ursprünglich aus dem Norwegischen und bedeutet so etwas wie „das Wohlbefinden.“ Der Duden erklärt es mit „Gemütlichkeit“ und „Heimeligkeit.“ Das altnordische Wort „hyggja“ wird mit „emotional und geistig zufrieden sein“ übersetzt. Doch Hygge umfasst noch viel mehr.

    Hygge ist eine gemütliche und herzliche Atmosphäre. Es sind die kleinen Dinge im Alltag, die man bewusst genießt. Zum Beispiel ein wunderschöner Sonnenaufgang, ein Ausflug in die Natur, ein geselliger Abend mit Freunden oder ein kuscheliger Nachmittag auf dem Sofa mit dem Lieblingsbuch und vielen Kerzen. Kerzen gehören zum Hygge-Gefühl auf jeden Fall dazu, denn auch dank des Lichtes schaffen es die Skandinavier, den dunklen und kalten Winter ohne Stimmungstief zu überstehen.

    Hygge ist die Kunst, Bedeutung und Wertschätzung in kleine Lebenssituationen zu bringen und einfach im Reinen mit sich selbst zu sein. Es ist ein Zustand von Wohlbefinden und Dankbarkeit und lässt sich in alle möglichen Kontexte integrieren.

     Hygge in den Alltag integrieren

    Meik Wiking, Glücksforscher aus Kopenhagen, ist der Autor des erfolgreichen Buches „Hygge – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“. Seine Kernbotschaft lautet: Zusammen sein! Aus dem „Ich“ soll ein „Wir“ werden. Denn in der Gemeinschaft lebt es sich glücklicher. Deshalb ist sie eine wichtige Zutat für Hygge im Alltag.

    Wann warst du das letzte Mal so richtig glücklich? Bestimmt, als du Zeit mit deinen Lieblingsmenschen verbracht hast, oder? Genau dieses tolle Gefühl, gerade mit genau den richtigen Menschen am richtigen Ort zu sein, ist es, was Hygge ausmacht.

    Gemeinsam Zeit verbringen

    Hygge kann also ganz einfach sein: Verabrede dich doch mal wieder mit deinen Freunden zum Kochen oder zu einem Spieleabend. Oder lade die Nachbarin auf einen Kaffee ein oder deine Eltern zum Essen, anstatt nur 20 Minuten mit ihnen zu telefonieren. Schwelgt in Erinnerungen, lacht zusammen und lasst es euch gut gehen.

    Oder wie wär’s mit einem gemeinsamen Wochenende in der Ferne? Eine kurze Reise ist perfekt dafür geeignet, runterzukommen und den Moment zu genießen. Das Hotelzimmer oder die Ferienwohnung werden dabei zu einem heimeligen Zuhause auf Zeit. Setzt euch dabei nicht zu viel Programm auf die Agenda, sondern nehmt Gemütlichkeit mit ins Gepäck – zum Beispiel in Form von kuscheliger Kleidung und euren Lieblingsbüchern, aus denen ihr euch gegenseitig etwas vorlesen könnt.

    Auch in unerwarteten Momenten kann man Hygge bewusst Platz in seinem Leben einräumen. Probier’s selbst aus: Wenn ein Termin abgesagt wird oder die Bahn mal wieder ausfällt, kannst du den Moment genießen, anstatt dich zu ärgern. Denn dein Ärger kostet dich nur Energie. Vertiefe dich nicht in dein Handy, sondern nimm dich und deine Umgebung bewusst wahr. Entspanne dich, atme tief ein und überleg dir zum Beispiel, wohin du als nächstes verreisen möchtest.

    Das Zuhause hyggelig machen

    „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit jagst du den Alltag und die Sorgen weg“, sang schon Balu für Mogli im Dschungelbuch und war sich sicher: „Mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir.“ Davon sind auch die Skandinavier überzeugt. Um den kalten Temperaturen draußen zu entfliehen, machen sie es sich in ihrem Zuhause so richtig schön gemütlich.

    Kaminfeuer oder Kerzen, leckere Kekse, das Lieblingsbuch und ein kuscheliges Sofa mit vielen bequemen Kissen: Für das Hygge-Gefühl in deiner Wohnung oder deinem Haus braucht es gar nicht viel – und schon kannst du dich zurücklehnen und die Entschleunigung vom Alltag genießen.

    Das Licht macht den Unterschied

    Indirektes, warmes Licht verbreitet eine Wohlfühl-Atmosphäre. Bilder von schönen Erlebnissen erinnern dich immer wieder an glückliche Momente. Und mit deinem Lieblingstee und einer großen Kuscheldecke wird es auch an kalten Tagen im Pyjama richtig schön hyggelig.

    Hygge lässt sich aber auch am Arbeitsplatz umsetzen. Nimm deine Lieblingstasse mit ins Büro, häng ein inspirierendes Bild auf oder stell eine schöne Pflanze auf den Schreibtisch – umgib dich mit den Dingen, die dir lieb sind und dich in eine gute Stimmung bringen.

    Oder bring das nächste Mal einfach selbstgebackenen Kuchen mit, den du dann zusammen mit deinen Kollegen isst – denn die Gemeinschaft macht schließlich glücklich. Und deine Kollegen freuen sich mit Sicherheit auch über etwas Hygge auf der Arbeit.

    Kinder sind Hygge-Experten

    Hygge lässt sich im Alltag ganz besonders gut mit Kindern erleben. Kinder sind Experten darin, die kleinen Dinge des Alltags bewusst zu erleben und zu schätzen. Außerdem sind sie wunderbar neugierig und abenteuerlustig. Mit Kindern kommen die Glücksmomente oft von ganz alleine.

    Natürlich kannst du aber in Sachen Hygge auch hier etwas nachhelfen: Ein kuscheliger Abend im Bett mit einer Gute-Nacht-Geschichte, ein kompletter Samstag im Schlafanzug oder ein ausgiebiger Waldspaziergang, dick eingepackt und mit Thermoskanne in der Tasche – das sind tolle Gelegenheiten, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Geborgenheit zu stärken und sich einfach an dem Geschenk der Familie zu erfreuen.

    Das skandinavische Hygge-Gefühl mit Color Line erleben

    Die Skandinavier schaffen es, die Hygge-Stimmung perfekt in ihren Alltag zu übertragen. Du willst dir etwas von ihrer nordischen Gemütlichkeit abschauen? Dann schau doch mal in Oslo vorbei und mach dir vor Ort selbst ein Bild! Color Line bringt dich per Mini-Kreuzfahrt ab Kiel in die norwegische Hauptstadt – und das bereits ab 99 Euro pro Person oder ab 188 Euro pro Person inklusive Halbpension.

    Dabei beginnt das Hygge-Gefühl schon beim Start der Mini-Kreuzfahrt: Denn anders als bei herkömmlichen Kurztrips könnt ihr das Auto getrost stehen lassen und braucht euch auch nicht von der Flughafen-Hektik stressen lassen. Stattdessen beginnt der Urlaub schon ab der ersten Minute ganz entspannt. Lasst euch treiben – im wahrsten Sinne des Wortes! 

     

    Die modernen Kreuzfahrtschiffe von Color Line bieten neben gemütlichen Kabinen auch zwölf stimmungsvolle Restaurants und Bars sowie ein vielfältiges Angebot an Entertainment und Wellness – klingt ganz schön hyggelig, oder?

    So eine Mini-Kreuzfahrt eignet sich auch als tolles Präsent, zum Beispiel zum Valentinstag. Speziell zum Verschenken gibt es die Color-Line-Geschenkkarte. Diese kann mit einem bestimmten Wertguthaben aufgeladen werden und lässt sich für die Reisekosten sowie in allen Shops und Restaurants an Bord verwenden.

     

    Lust auf Hygge? Dann buch jetzt für dich und deine Lieben eine Mini-Kreuzfahrt nach Oslo. Macht’s euch gemütlich und genießt die Zeit!


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    Erst muss er mit 117,30 Euro weniger auskommen, dann mit 234,60 Euro weniger: Das Jobcenter Erfurt kürzt einem Mann 2014 gleich zwei Mal die monatliche Grundsicherung, weil er bei der Arbeitssuche nicht kooperiert, wie er soll.

    Nur einer von vielen Tausenden Hartz-IV-Empfängern, die Jahr für Jahr die unschöne Seite des Prinzips “Fördern und Fordern” zu spüren bekommen - buchstäblich am eigenen Leib. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hinterfragt das System an diesem Dienstag grundsätzlich. 

    Worum geht es?

    Seit der Zusammenführung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu Hartz IV unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) weht für die Bezieher ein rauerer Wind. Jede Arbeit ist zumutbar, heißt seit 2005 der Grundsatz.

     

    Wer staatliche Hilfe in Anspruch nimmt, ist verpflichtet, sich aktiv darum zu bemühen, dass das so bald wie möglich nicht mehr notwendig ist. Diejenigen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden, straft das Zweite Sozialgesetzbuch mit Leistungskürzungen.

    Wie sehen diese Hartz-IV-Sanktionen aus?

    Betroffene bekommen drei Monate lang weniger Geld. Wie viel gestrichen wird, hängt von der Schwere der Verfehlung ab. Wer ohne triftigen Grund einen Termin beim Jobcenter versäumt, büßt zehn Prozent des sogenannten Regelsatzes von aktuell 424 Euro für alleinlebende Erwachsene ein.

    Wer ein Jobangebot ausschlägt oder eine Fördermaßnahme abbricht, setzt 30 Prozent aufs Spiel - beim zweiten Mal binnen eines Jahres 60 Prozent und beim dritten Mal das komplette Arbeitslosengeld II, samt Heiz- und Wohnkosten.

    Bei jungen Menschen unter 25 Jahren wird besonders hart durchgegriffen. Weitreichende Sanktionen können die Jobcenter mit Gutscheinen für Sachleistungen wie Lebensmittel abmildern. Sind Kinder betroffen, müssen sie das.

    Wie viele Menschen trifft das?

    Im Moment verhängen die Jobcenter grob gerundet knapp eine Million Sanktionen im Jahr, in gut drei Viertel der Fälle wegen nicht eingehaltener Termine. Weil gegen dieselbe Person mehrmals Sanktionen verhängt werden können, ist die Zahl der Betroffenen niedriger.

     

    Nach den neuesten Zahlen von 2017 waren im Jahresdurchschnitt rund 136 800 Erwerbsfähige mit mindestens einer Sanktion belegt, das entspricht einer Sanktionsquote von 3,1 Prozent. Über den gesamten Jahresverlauf betrachtet wurden etwa 34 000 Beziehern die Leistungen komplett gestrichen.

    Warum werden jetzt die Verfassungsrichter aktiv?

    Wegen einer Vorlage des Sozialgerichts Gotha. Dort hat der Mann geklagt, dem in Erfurt 2014 zweimal die Leistungen gekürzt wurden. Erst, weil er eine Stelle als Lagerarbeiter ablehnte und lieber im Verkauf arbeiten wollte.

    Dann wollte ihn das Jobcenter im Verkauf testen, aber er ließ den Gutschein fürs Probearbeiten verfallen. Die Thüringer Richter halten die Sanktionen für verfassungswidrig. Sie meinen: Wenn Hartz IV das Existenzminimum sichert, gibt es keinen Spielraum für Kürzungen.

    Der Staat lasse die Betroffenen in soziale Isolation, Krankheit, Schulden und Obdachlosigkeit abgleiten.

    Lässt sich schon etwas zum Ausgang sagen?

    Wegen eines Verfassungsgericht-Urteils von 2010 musste die Politik schon einmal bei Hartz IV nachbessern, damals bei den Regelsätzen. Das Grundgesetz sichere "jedem Hilfebedürftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind", urteilten die Richter.

    Wie das konkret umgesetzt wird, liegt demnach aber beim Gesetzgeber - Karlsruhe kontrolliert nur, ob Leistungen "evident unzureichend" sind. Ihre wichtigsten Fragen zu den Sanktionen haben die Richter vorab veröffentlicht. Sie wollen zum Beispiel nachhaken, wie Härten abgefangen werden und ob die Kürzungen überhaupt etwas bringen.

    Wie geht es nach der Verhandlung weiter?

    Der Erste Senat unter dem neuen Vizegerichtspräsidenten Stephan Harbarth berät im Geheimen. Das Urteil dürfte in einigen Monaten verkündet werden. Gibt es Beanstandungen, müsste das System zumindest in diesen Punkten reformiert werden.

    So oder so wird in Berlin derzeit heftig über Änderungen diskutiert. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will beispielsweise die scharfen Sanktionen für Unter-25-Jährige und die Kürzungen bei den Wohnkosten abschaffen.


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    Montagabend, ARD, “Hart aber Fair”: Es geht um den Brexit.

    Am Dienstag steht in London die alles entscheidende Abstimmung an. Nehmen die britischen Parlamentarier den Austrittsvertrag an, der in mühsamer Arbeit mit den EU-Vertretern in Brüssel ausgehandelt wurde?

    Es scheint unwahrscheinlich – und damit wird die Brexit-Hängepartie wohl weitergehen. Im TV-Talk von Moderator Frank Plasberg diskutierten Gäste aus Politik, Medien und Wirtschaft über die Folgen und Hintergründe.

    Zu Gast:

    ► Manfred Weber (EVP-Spitzenkandidat)

    ► Beatrix von Storch (AfD-Vize)

    ► Anthony Glees (Britischer Politologe)

    ► Carl Martin Welcker (Verband der Maschinenbauer)

    ► Julie Kurz (ARD-Korrespondentin)

    Brite: “Der Brexit ist Irrsinn”

    Es war der britische Politologe und Historiker Anthony Glees, der den Brexit charmant als “völligen Irrsinn” einordnete. “Die Briten sind zweimal so reich, wie sie vor dem Eintritt (in die EU) waren. Es geht uns in vielerlei Hinsicht sehr gut”, befand Glees.

    Dass eine Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt habe, bedeute noch nicht, “dass es richtig war”. Respektieren aber müsse man die Wahl.

    AfD-Politikerin Beatrix von Storch vertrat – wenig überraschend – eine andere Meinung. Sie erklärte, sie habe über den Brexit “Freudentränen” vergossen. Auch die AfD kokettiert mit der Idee eines “Dexit”, eines Bruchs Deutschlands mit der Europäischen Union. 

    Von Storch gibt Merkel schuld

    Von Storch versuchte bei “Hart aber Fair” dann mehrfach, das Gespräch auf das Kernthema der AfD, Migration, zu lenken. “Merkel hat ihre katastrophale Migrationspolitik gemacht, die natürlich ihren Beitrag zum Referendum gegeben hat”, so die Vizefraktionsvorsitzende.

    Zustimmung gab es dafür von Glees. Hätte es die Flüchtlingswelle im Sommer 2015 nicht gegeben, wäre die hätte das “Remain”-Lager womöglich knapp gewonnen, glaubt er. 

    CSU-Politiker und EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber hingegen hielt dagegen. Er sieht einen anderen, einen viel älteren Fehler der Briten, verantwortlich für die Missstimmung gegenüber Migration im Land.

    Weber: “Der Fehler wurde in London gemacht”

    “Wenn Frau Storch das Wort bekommt, geht es sofort wieder um Migration und 2015”, beschwerte er sich kurz halbherzig. 

    Dann skizzierte er, was er als “wahres Problem” der Briten begreift: Nach der Osterweiterung der EU 2004, als unter anderem Polen Mitglied der EU wurde, habe Großbritannien sich entschieden, “sofort den Arbeitsmarkt zu öffnen – am ersten Tag”.

    So seien “viele Polen, Ungarn, Litauer, andere” eingeladen gewesen, einzuwandern in ein Land, in dem die Löhne deutlich höher waren als in ihrer Heimat. Bei den Briten sei so der Eindruck entstanden, “da kommen so viele Ausländer”.

    Deutschland dagegen habe die Freizügigkeit im Rahmen einer Regelung des EU-Beitrittsvertrags für 7 Jahre ausgesetzt. So hätten sich die Länder im Osten angleichen können “und wir haben nicht die Erfahrung gemacht wie die Briten”.

    Weber glaubt: “Der Fehler wurde gemacht in London.” 

    (vw)


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    Dieses Mal fließen auch bei Bastia Yotta die Tränen.

    • Gleich zu Beginn kommt das emotionale Geständnis von Bastian Yotta: Wie er von ganz oben zum Versager abstürzte.
    • Noch jemand gesteht Suizidgedanken gehabt zu haben.

    Tag vier im Dschungel und schon liegen die Nerven blank: Nach den Heulsusen-Attacken von Giselebleiben die Augen auch bei Yotta, Sibylle und Felix nicht trocken.

    Wenn König Yotta morgens zum Miracle Morning ruft, kommen die Yotta-Zeugen angesaust – doch an Tag vier im Dschungelcamp werden es immer weniger Gläubige. So versammeln sich nur noch eine Handvoll Camper zur morgendlichen Carpe-Diem-Runde. Der Essensmangel der vergangenen Tage scheint auf die Stimmung der Bewohner zu drücken.

    Besonders auf die von Bastian Yotta selbst. Als er abends gemeinsam mit Felix van Deventer am Lagerfeuer sitzt, helfen auch keine Glückskeksweisheiten mehr.

    “Beach Babes” retten Yotta das Leben

    Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall – davon kann der Miracle-Master ein Lied singen. Gestartet als kleiner Versicherungskaufmann in der Firma seines Vaters, kam er nach drei Hochschulabschlüssen – ja, drei – ganz oben an. Dicke Autos, Häuser, geiles Leben. Doch schon kurze Zeit später: Haus weg, Konten gepfändet und eine Scheidung noch dazu.

    Nach vier Monaten auf der Straße kletterte er auf das Dach eines Hochhauses: “Ich wollte mich einfach nur noch umbringen!“ Doch dann kam die Erleuchtung: “Ich dachte an das geilste Leben, an Kalifornien, die Beach Babes und einen geilen Körper.“ Und dann musste Bastian lächeln. Und “mit einem Lächeln springt man nicht vom Hochhaus.“ Amen.

    Gisele fragt, ob sie sich ausziehen darf

    Nacktflitzer und Zombiekrankenschwester bei der Dschungelprüfung

    Die Zuschauer von RTL sind gnadenlos und schicken Gisele Oppermann erneut in die Dschungelprüfung. Gemeinsam mit Chris Töpperwien geht es in die “Klinik unter Palmen“, wo auch ein Foto von Dr. Stefan Frank hängt – der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Doch vertrauen tut Gisele niemandem, so hat Chris durch das Geschrei des Models extreme Probleme sein eigenes Wort oder die Tipps von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zu verstehen.

    Während in den verschiedenen Räumen des Krankenhauses sehr viele kleine, lebendige Bewohner umhersausen, hört Gisele nicht mehr auf zu kreischen. Ein übergewichtiger Nacktflitzer und eine Zombiekrankenschwester können daran auch nichts ändern. Schon gar nicht die herumliegenden Gedärme und Unmengen an Maden und Kakerlaken.

    “Schrei doch nicht so, du machst mich verrückt! Hey, hey, hey, hey, hey, Ruhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe, R U H E, alles gut, alles gut, alles gut. Gisele, bitte hör auf zu schreien. Ich höre nichts mehr. Gisele, komm zur Ruhe.“

    So geht das exakt acht Minuten lang. Dann hat nicht nur Chris die Ohren voll, sondern die beiden verlassen nach bestandener Prüfung mit acht Sternen die Klinik. Eine große Hilfe war Gisele nicht, stolz ist sie dennoch. Bei Sonja und Daniel angekommen, fragt die EX-“GNTM”-Kandidatin, ob sie sich “endlich ausziehen“ dürfe, um die Kakerlaken loszuwerden. Daniel sagt nüchtern dazu: “Eine Frage, die RTL noch nie mit Nein beantwortet hat.“

    Auch Sibylle spricht über ihre Suizidgedanken.

    Sibylle Rauch: “Ich habe an Selbstmord gedacht“

    Die gestrige Sendung gewährte auch Blicke in das Leben von Sibylle Rauch. 

    100.000 Deutsche Mark für 30 Sekunden Sex in einem Spielfilm mit Pornofassung – die damals höchste Gage, die jemals für eine solche Leistung bezahlt wurde. Doch auch die Gage hatte ihren Preis, denn wie Sibylle Rauch selbst erklärt, musste sie sich für den Film “Eis am Stiel“ die Brüste machen lassen. Schließlich wollte sie Hollywood-Star werden.

    In ihrer Glanzzeit als Pornoqueen habe sie viel Geld verdient, ein Glamourleben geführt, doch die Pornos hätten ihr nie Spaß gemacht: “Ich habe das nur wegen des Geldes getan.“ Dann erzählt auch sie von ihrem Absturz. Doch viel authentischer, glaubhafter und ehrlicher als Bastian Yotta.

    “Es begann der schleichende Absturz. Bis zum bitteren Ende. Ich habe an Selbstmord gedacht.“ Dann kann auch Sibylle sich nicht mehr halten und muss weinen. Schließlich sagt sie etwas Kluges: “In der Erfolgszeit muss man auch an später denken. Das habe ich versäumt. Man sollte nicht denken, man sei ein Weltstar, sondern sich darauf konzentrieren, einen Beruf richtig zu lernen.” 

    Und es fließen noch mehr Tränen

    Es war ein tränenreicher Tag im Dschungelcamp. Auch Felix kann sich nicht mehr zurückhalten – so sehr vermisst er seine Freundin. Und das an Tag vier. Nachdem er Domenico erst noch erklärt, er habe seitdem sie im Dschungel sind, noch “kein Ei gelegt“, werden die Gespräche schnell tiefsinniger. Im Geheimen erzählt Felix dem Reality-TV-Star, dass seine 22-jährige Freundin schwanger sei.

    Also, Domenico und halb Fernseh-Deutschland.

    Jener hat als Papa die gesamte Sache bereits analysiert und stellt scharfsinnig fest: “Er hat die Grundlagen des Lebens. Er hat einen guten Job (“GZSZ”-Star) und er ist lustig. Er wird sein Kind zum Lachen bringen.”

    Auch an diesem Tag gibt es keine Gnade: Die Zuschauer scheint das Geschrei von Gisele nicht weiter zu stören, weshalb sie sie erneut zur Dschungelprüfung wählen. Doch Bastian wird auch dabei sein. Und somit sicherlich auch die Yotta-Bibel, die so einige Wandtattoo-Sprüche für das Bewältigen der Prüfung parat hält.

    (jr)


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    Es sind nur noch wenige Stunden bevor es im britischen Unterhaus zum Showdown kommt. 

    Gegen 19 Uhr sollen die Abgeordneten über den zwischen London und Brüssel verhandelten Austrittsvertrag abstimmen. Ein Ergebnis wird bis 22 Uhr erwartet.

    Eine Schicksalsentscheidung, die auch die hochschwangere britische Labour-Politikerin Tulip Siddiq unter keinen Umständen verpassen will.

    Obwohl Ärzte ihr dazu geraten haben, ihr Baby am Dienstag per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, wie die britische Zeitung “Evening Standard” berichtete.

    “Eine Welt mit besseren Chancen”

    Demnach will sich die Nichte von Bangladeschs Regierungschefin Sheikh Hasina von ihrem Mann im Rollstuhl ins Parlament schieben lassen.

    Die 36-jährige Politikerin sagte der Zeitung:

    “Selbst wenn mein Sohn einen Tag später als von den Ärzten empfohlen das Licht der Welt erblickt, aber dies eine Welt mit besseren Chancen für eine solide Beziehung zwischen Großbritannien und Europa ist, dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen.“

    Auch ihre Ärzte haben mittlerweile zugestimmt, den Eingriff auf Donnerstag zu verschieben.

    Brexit-Showdown

    Premierministerin Theresa May hatte die Abstimmung über den Vertrag im Dezember verschoben, weil ihr eine Niederlage drohte. Auch am Montag allerdings ist noch keine Mehrheit für May in Sicht.

    Weder hat Premierministerin May ihre eigene Partei und ihre Verbündeten mit ihrer Vision des Brexit überzeugen können. Noch hat Labour-Chef Corbyn die Gegner der Premierministerin für sich gewonnen. 


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  • 01/15/19--01:45: Inside Höcke
  • Liane Bednarz hat Björn Höckes Buch “Nie zweimal in denselben Fluss” analysiert. Das ist der erste Teil ihrer kritischen Auseinandersetzung.

    Im Juni des letzten Jahres hat der AfD-Politiker Björn Höcke ein Buch mit dem Titel “Nie zweimal in denselben Fluss” vorgelegt, das außerhalb des rechten Milieus erstaunlich wenig Beachtung gefunden hat.

    Dabei sollte man durchaus wissen, was Höcke dort für Thesen vertritt, denn immerhin steht er wie kein zweiter Vertreter für die Radikalisierung der AfD.

    Seit der 46-Jährige im Sommer 2014 zum Co-Vorsitzenden des Thüringer Landesverbands der Partei und kurz darauf zum Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag aufgestiegen ist, konnte er seinen internen Einfluss stetig ausweiten.

    Wer in der AfD etwas werden oder zumindest seine Stellung behalten will, wird sich drei Mal überlegen, ob er sich gegen Höcke stellt.

    Höcke, die AfD und der Verfassungsschutz

    Der gebürtige Lünener ist, was seine inhaltliche Ausrichtung angeht, dem radikalen Teil der Neuen Rechten zuzurechnen.

    Dieser bewegt sich zwar grundsätzlich innerhalb des Verfassungsbogens, jedoch hat der Thüringer Verfassungsschutz die dortige Landes-AfD Anfang September zum “Prüffall“ erklärt, was insoweit eine Vorstufe zu einer Beobachtung darstellt, als untersucht wird, ob eine solche erforderlich ist.

    Im Dezember wurde bekannt, dass die Thüringer AfD sowie ihre Landtagsfraktion dagegen beim Landesverfassungsgericht in Weimar eine Klage eingereicht haben.

    ► Höckes Buch, das im rechtslastigen Manuscriptum-Verlag erschienen ist, ist in Frage-Antwort-Form verfasst. Fragesteller ist der laut Verlagsangaben freie Autor und bildende Künstler Sebastian Hennig, der im sächsischen Radebeul ansässig ist.

    Es handelt sich um ein Gespräch unter Gleichgesinnten, in dem Hennig nicht selten als Stichwortgeber fungiert.

    Vorwortverfasser Frank Böckelmann, inzwischen auch ein Höcke-Befürworter

    Das Vorwort hat der Publizist Frank Böckelmann verfasst, der auch bei der Vorstellung des Werks auf der letzten Frankfurter Buchmessen auf dem Podium saß und selbst die Zeitschrift “Tumult“ herausgibt, die seit der Flüchtlingskrise einen deutlichen Rechtsdrall aufweist.

    Böckelmann preist, was Höcke betrifft, die “Spannkraft eines ebenso nachdenklichen wie ruhelosen Charakters” und kündigt an, der Leser werde “viel Neues und Unerwartetes vorfinden.

    Nun ja.

    ► Das ist reichlich übertrieben angesichts des Umstands, dass sich das 291-seitige Werk vorrangig um Höckes altbekannte Zentralthemen Verfall, Islamisierung, Globalisierung und Erinnerungskultur dreht.

    ► Im Grunde bringt Böckelmann den recht dünnen Inhalt, wenn auch ungewollt, selbst wie folgt auf den Punkt: “Für Björn Höcke stellt uns die Lage vor eine letztlich unausweichliche Alternative: Selbstbehauptung der Völker oder Untergang.“

    Überraschend in “Nie zweimal in denselben Fluss“ ist allenfalls, wie unverhohlen der vor seiner politische Karriere als Gymnasiallehrer tätige Höcke preisgibt, wie radikal rechts seine politischen Vorstellungen sind und wie weit sie gehen.

    Björn Höcke schüttelt AfD-Chef Alexander Gauland die Hand. Gauland kritisierte Höcke zuletzt, weil er der AfD Angst vor dem Verfassungsschutz und

     

    Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt. In den ersten dreien (“Frühe Jahre“, “Im Schuldienst“ und “Der Weg in die Politik“) erfährt man neben politischen Ansichten auch einiges über Höckes Werdegang, während im zweiten Teil (“Partei und Fraktion in Thüringen“, “Volksopposition gegen das Establishment“ und “Krise und Renovation“) politische Vorstellungen und Ziele klar im Fokus stehen.

    ► Auffällig ist, wie oft Höcke sich auf bildungsbürgerliche Fixsterne wie Martin Buber beruft.

    Solche Anrufungen höherer Autoritäten und berühmter Vorbilder sind ein beliebtes Mittel, um erstens die eigene Belesenheit herauszustellen und zweitens den eigenen Positionen Gewicht zu verleihen, auch dann, wenn man nur kurze Einzelzitate verwendet und sodann eigene Gedanken weiterspinnt.

    Höcke, ein klassischer Neurechter

    Als klassischer Neurechter zeigt Höcke sich schon  zu Beginn des Buchs, wenn er schreibt, er sei “nicht ausschließlich konservativ“ und hinzufügt: “Zudem möchte ich nur Dinge bewahren, deren Erhaltung sich lohnt“ (S. 58).

    ► Dieser Spruch geht auf Arthur Moeller van den Bruck zurück und damit auf  einen der wichtigsten rechtsintellektuellen Vordenker der Weimarer Republik. 

    Im Original lautet der Slogan bei Moeller van den Bruck wie folgt: “Konservativ ist, Dinge zu schaffen, die zu erhalten sich lohnt“, womit das Programm der “konservativen Revolutionäre“ jener Zeit umrissen ist.

    Warum Mythen und Sagen für den Politiker Höcke so wichtig sind

    Wer sich schon länger mit Höcke beschäftigt, weiß um seine große Affinität zu deutschen Mythen, namentlich zur “Kyffhäusersage“. So hält etwa die von ihm angeführte rechte Parteibewegung “Der Flügel“ jeden Sommer ein so tituliertes “Kyffhäusertreffen“ ab.

    In seiner Rede auf der letztjährigen Zusammenkunft dieser Art schwärmte Höcke zudem vom sachsen-anhaltinischen Burgenlandkreis als einer “mythischen Landschaft mit vielen mystischen Orten mitten im Herzen unseres Vaterlandes“.

    ► Im Buch nun berichtet er von seiner Kindheit im Westerwald und seiner Faszination für den Rhein. “Nirgendwo sonst in Deutschland, Harz und Kyffhäuser vielleicht ausgenommen“, so Höcke, sei “die lokale Sagenwelt, die sichtbare Mythologie so dicht wie dort anzutreffen“ (S. 23).

    Er erwähnt die Lorelei, Lohengrin, das Nibelungenlied (S. 23) und spricht davon, wie sehr ihn “die magische Welt der Ritter und Burgen“ in seiner Kindheit fasziniert habe (S. 24). Wer das liest, versteht, warum der Co-AfD-Chef Alexander Gauland Höcke schon länger einen “Nationalromantiker“ nennt.

    Höcke gilt weiter als Vertreter der Ultrarechten innerhalb der AfD. Bei den Protesten in Chemnitz setzte er sich an die Spitze.

    Doch man lasse sich nicht einlullen. Höcke ist und bleibt auch ein rechter Radikaler und wird dies an vielen anderen Stellen im Buch noch zeigen.

    Die Berufung auf Mythen zieht sich durch das ganze Gespräch Höckes mit Hennig hindurch. Und das nicht ohne Grund, denn für Höcke spielen Mythen bei der Durchsetzung seiner politischen Vorstellungen eine zentrale Rolle. Dazu passt, dass er den Deutschen eine “romantische Tiefenhellsichtigkeit“ zuschreibt und sie so in klebriger Rührseligkeit versucht zu verklären.

    ► Für Höcke haben Mythen eine “belebende und identitätsstiftende Wirkung auf Menschen und Völker“ (S. 159), weil sich in ihnen “stets alte Geschichten mit aktuellen Sehnsüchten (vermischen)“ (S. 160). So sei die Kyffhäusersage “nach fast tausend Jahren noch weithin bekannt“ (S. 161).

    ► Höcke beschwört sie wie folgt: “Bekanntlich schläft der alte Kaiser Barbarossa in einer Höhle des Kyffhäuserberges, um eines Tages mit seinen Getreuen zu erwachen, das Reicht zu retten und seine Herrlichkeit wiederherzustellen.” (S. 159) Wenig später lässt der Wahl-Thüringer durchklingen, wie sehr er sich von der Sage politische Nahrung verspricht. Das liest sich so:

    Aber die Sehnsucht der Deutschen nach einer geschichtlichen Figur, welche einst die Wunden im Volk wieder heilt, die Zerrissenheit überwindet und die Dinge in Ordnung bringt, ist tief in unserer Seele verankert, davon bin ich überzeugt.“ (S. 161)

    ► Meint der Thüringer sich womöglich selbst, wenn er von dieser künftigen “geschichtlichen Figur“ spricht?

    Angesichts seiner noch zu thematisierenden Selbststilisierung und -heroisierung im weiteren Verlauf des Gesprächsbands ist dieser Gedanke nicht ganz abwegig.

    Auch Burgruinen haben für Höcke im Hier und Jetzt  durch „ihr bloßes sichtbares Dasein“ “etwas Stärkendes”, seien sie doch oft “Züge der kriegerischen Behauptung des Eigenen” und damit einer “Tugend – heute mehr zivil als militärisch“, welche „den Deutschen und Europäern abhandengekommen zu sein (scheint).” (S. 31 f.)

    Höckes heroisches Selbstbild

    Wie schon angedeutet, hat Höcke ein Faible für Selbstpathos. Politisch sieht er sich auf einer außerordentlich großen, ja fast einzigartigen, über ihn selbst weit hinausgehenden Mission.

    Höcke ist ein Mann, dem Sätze wie die folgenden nicht peinlich sind:

    ► “Ich bin aber überzeugt, dass mein heutiges Bewährungsfeld eine überpersönliche Notwendigkeit hat, auch wenn ich diese nur in Ansätzen fassen kann.“ (S. 80).

    ► “Mein persönlicher Leidensdruck wurde schließlich so groß, dass ich den Schritt tun musste.“ (S. 105).

    ► “Ich sah das zunehmende Versagen der politischen Klasse bei der Lösung der drängenden Probleme. Das ganze Land schien auf eine schiefe Bahn geraten zu sein und niemand war da, der den Mut hatte, dieser Abwärtsdrift in die Speichen zu greifen.“ (S. 108)

    Darüber hinaus hat Höcke keine Hemmungen, in große Fußstapfen zu treten.

    So erfährt man, dass er in Friedrich Nietzsches “Voluntarimus“ seinen “eigenen Tatendrang und Optimismus“ ebenso wie “die Verachtung gegenüber dem Erstarrten und Verkrusteten“ wiedergefunden habe (S. 57).

    Zugleich zeichnet er von sich das Bild eines naturverbundenen, nachdenklichen Menschen, der, wenn er “das deutsche Elend und das Parteiengezänk“ hinter sich lassen will, “meistens in den Wald (geht), um dort zu arbeiten“ (S. 119), außerdem gerne wandert und in Erinnerungen schwelgt, wenn er “spätabends zu Hause vor dem Kaminfeuer sitzt“ (S. 80).

    Höcke und die Forderung nach mehr Männlichkeit

    Ein ganz besonders wichtiges Anliegen Höckes ist und bleibt die Männlichkeit. Zur Erinnerung: Bereits im November 2015 hatte er wie folgt bei eine AfD-Kundgebung in Erfurt gesprochen:

    ► “Das große Problem ist, dass Deutschland, dass Europa ihre Männlichkeit verloren haben. Ich sage: Wir müssen unsere Männlichkeit wiederentdecken. Denn nur, wenn wir unsere Männlichkeit wiederentdecken, werden wir mannhaft! Und nur, wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft. Und wir müssen wehrhaft werden, liebe Freunde!

    ► In “Nie zweimal in denselben Fluss“ gibt Höcke zu verstehen, wie männlich er schon als Kindergartenkind gewesen sei.

    “Viele Stunden“ habe er damals “nicht nur im Kampf, sondern auch auf einem Stuhl in der Ecke des Gruppenraumes“ verbracht, der männlichen ‘Draufgängern‘ vorbehalten war.“ (S. 42).

    Immer wieder spricht und schreibt Höcke über sein Verständnis von Männlichkeit.

    Überdies habe ihm sein Großvater imponiert, der bei der Arbeit in seiner Gärtnerei “völlig unempfindlich gegen die robusten Stacheln seiner Rosen” war, die er “meistens ohne Handschuhe“ schnitt, während er “die stachelige Blaufichte“ sogar “ohne jeden Handschuh (bewegte)“.

    Das habe “sehr männlich“ auf ihn als Kind gewirkt (S. 35).

    Heutzutage weisen seine deutschen Geschlechtsgenossen Höcke zufolge hingegen ein “verkümmertes männliches Selbstbewusstseins” auf (S. 113).

    Sie bestehen “zu zehn Prozent aus verkrampften Machos und zu achtzig Prozent aus Weicheiern” (S. 114), was an “fehlender Vaterprägung, kaum männlichen Vorbilder, weiblich dominierten Kitas und Schulen“ sowie “generell einer Antigewalt- und Antikörperlichkeitserziehung” sowie “Verzicht auf männlicher Initiation“ liege (S. 114).

    ► Man würde gerne wissen, was Höcke mit der von ihm monierten “Antigewalt- und Antikörperlichkeitserziehung“ meint und was er an ihre Stelle setzen würde.

    ► Jedenfalls prognostiziert er, dass die Wiedererlangung “einer natürlichen Männlichkeit“ einen “mühseligen, aber lohnenswerten Weg über mindestens ein, zwei Generationen“ erfordere (S. 118).

    ► Diese Überbetonung des Männlichen hat, so radikal Höcke auch ist, durchaus etwas Putziges, so bemüht, wie es daherkommt.

    Höcke: Antipluralismus und Herabwürdigung politischer Gegner

    Aufschlussreich ist des Weiteren Höckes feindlicher Blick auf politische Gegner, der in dem Buch mehr als deutlich wird, auch wenn der AfD-Mann anfangs reichlich bemüht ist, sich als dialogbereiten Gesprächspartner darzustellen und so zu tun, als scheitere der Austausch nur an der Ausgrenzung durch andere.

    So teilt er auf S. 86 mit, dass er von seinem „ganzen Wesen her auf Offenheit, Dialog und Ausgleich angelegt“ sei. Das dürfte so gut wie jeden, der Höckes Reden in den letzten Jahren verfolgt hat, die Stirn runzeln lassen.

    ► Ja, ausgerechnet Höcke affirmiert Fragesteller Hennigs Bemerkung, dass “eine wechselseitige Achtung auch in der Politik möglich sein“ sollte und zwar “unbedingt“ (S. 86).

    ► Und ausgerechnet Höcke meint, dass man, “wenn man sich für die eigenen Interessen leidenschaftlich einsetzt“, “dies ebenso dem Gegner zubilligen“ müsse (S. 86).

    Auffällig ist, wie sich bereits in die anfänglichen Dialog-Beteuerungen Höckes eine einseitige Opferattitüde mischt, die er selbst, wie gleich zu sehen ist, durch Diskreditierungen seiner politischen Opponenten wenig später selbst konterkarieren wird.

    Zunächst aber fließen Worte wie die folgenden aus seinem Mund:

    ► “Auch wenn es einem durch die teils üblen Anfeindungen und Diffamierungen schwerfällt: Ein Dialog sollte grundsätzlich mit jedem möglich sein.“ (S. 86)

    ► “Ich bin aber überzeugt davon, dass in den meisten Fällen eine ehrliche und offene Auseinandersetzung zu Lösungen führen würde, mit der alle Seiten leben könnten. Ein Dialog kann aber nicht gelingen, wenn eine Seite versucht, die andere vorzuführen und zu diskreditieren.“ (S. 87)

    ► “Nur besteht diese ‘Streitkultur’ in der Realität vor allem darin, den politischen Gegner niederzumachen und ihm unlautere Absichten zu unterstellen – man vergegenwärtige sich bloß einmal das geistlose Gezeter in den Polit-Talkshows, wenn dort ein AfD-Vertreter sitzt.” (S. 87)

    Ganze vier Seiten später ledert derselbe Höcke, der hier die Vorführung und Diskreditierung durch andere Politiker beklagt, wie folgt los, psychopathologisiert und zeigt so, wie antipluralistisch er in Wirklichkeit tickt:

    ► “Wir nähern uns in Deutschland mittlerweile, was die politische Szene anbelangt, dem Zustand eines Irrenhauses. Hier tummeln sich notorische Realitätsverweigerer, Hysteriker, Schizophrene, Autoaggressive und auch Psychopathen. Das macht es natürlich sehr schwer, eine vernünftige Diskussion – insbesondere mit scharf-konturierten Standpunkten – zu führen.“ (S. 91)

    Auf S. 150 behauptet er sodann, dass “zwei extreme Typen“ die Parlamente dominieren: “Naive Menschheitsträumer“ und ‘Lobbyvertreter mit Korruptionshintergrund‘. Und an noch anderer Stelle schimpft Höcke über die “mediokren Schweinchen-Schlau-Figuren der heutigen Parteiendemokratie“. (S. 81).

    Die Thüringer AfD hat ihren Landessprecher Björn Höcke zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr gekürt.

     

    Auch schreckt der Parteirechte nicht vor dreisten Unterstellungen und Pauschalurteilen zurück.

    ► So behauptet er etwa, dass ein “bedrohlich ausgewucherter Parteienstaat heute tausende Funktionäre (nährt), die vor allen Dingen eines wollen, nämlich, dass es für sie solange wie möglich so bleibt wie es ist.“ (S. 58).

    Dabei bleibt es nicht.

    ► Höcke fährt mit der Unterstellung niederer Motive fort: “Aus purem Eigeninteresse sind nicht wenige von ihnen bereit, reformatorische, demokratische Prozesse auszubremsen oder ganz auszuschalten. Der Souverän scheint nicht nur entmündigt, er ist es weitgehend“. (S. 58/59)

    Belege und Beispiele für diese Miesmacherei, mit der Höcke sich implizit als frei von derlei charakterlichen Abgründen in Szene setzt, sind Fehlanzeige.

    ► An anderer Stelle beschuldigt er zudem die “etablierten Medien“, „einen großen Anteil daran“ zu haben, “dass immer mehr Bürger unser politisches System als ‘Fassadendemokratie‘ empfinden“. (S. 109).

    Wie viele seiner geistigen Brüder und Schwestern spricht sich der Wahl-Thüringer des Weiteren dafür aus, dass die “Grenze des Sagbaren immer wieder mit kleinen Vorstößen erweitert werden“ müsse (S. 92).

    Wie taktisch Höcke insofern denkt, zeigt sich daran, dass er wenig später eine “intelligente Konfrontationsstrategie“ für aussichtsreich erachtet, bei der „eine allgemeine Mäßigung und Verfeinerung im Ton“ zwar “sinnvoll“ sein könne, “primär aber eine Stil- und Geschmacksfrage“ sei.

    ► In jedem Fall müsse jedoch eine “verbale Abrüstung mit einer inhaltlichen Aufrüstung einhergehen.“ (S. 94)

    ► Zu Höckes antipluralistischem Zungenschlag passt nicht zuletzt, dass er das Fehlen eines “einheitlichen Volkswillens“ beklagt, obwohl ein solcher dem Wesen des deutschen, auf Meinungsvielfalt angelegten politischen Systems widerspricht.

    ► Das liest sich wie folgt: “Wir sind als Volk bereits stark fragmentiert und bringen im Grunde keinen einheitlichen Volkswillen mehr hervor, sondern eher eine dissonante Kakophonie“ (S. 235). Dazu passt, dass Höcke ernsthaft an die Existenz eines deutschen “Volkscharakters“ glaubt (S. 156).

    Wer der AfD kritisch begegnen will, sollte sich all diese in Buchform gegossenen Äußerungen Höckes sorgsam merken.

    Denn die sonst im Parteimilieu beliebte Ausrede, etwas Gesagtes sei nicht so gemeint gewesen, fällt hier weg. Wer drucken lässt, was er zuvor geäußert hat, tut dies bewusst und ganz sicher nicht im Eifer des Gefechts.


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    ► Die AfD gerät laut dem “Tagesspiegel” stärker ins Visier des Verfassungsschutzes.

    ► Nach Informationen der Zeitung stuft das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) die Gesamtpartei in einem rund 450 Seiten umfassenden Gutachten als “Prüffall” ein.

    ►  Die Maßnahmen einer Beobachtung, wie das Anwerben von V-Leuten oder das Speichern von personenbezogenen Daten, gibt es bei einem Prüffall nicht. Ein solcher gilt als Vorstufe der Beobachtung, gewissermaßen als “Gelbe Karte”.

    Der Thüringer Verfassungsschutz hatte bereits im September 2018 den Landesverband der AfD zum Prüffall erklärt.

    Zum Hintergrund:

    ► BfV-Präsident Thomas Haldenwang will die Ergebnisse der Analyse noch heute in Berlin verkünden. Die Behörde wird nun anhand öffentlicher Äußerungen von AfD-Mitgliedern und offen zutage tretender Verbindungen zu den rechtsextremen Identitären untersuchen, in welchem Ausmaß rechtsextremistische Bestrebungen in der Partei festzustellen sind.

    ► Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft zudem in seinem Gutachten die AfD-Nachwuchsorganisation “Junge Alternative (JA)” und die Vereinigung “Der Flügel” als Verdachtsfall ein. Das ist eine höhere Stufe als der Prüffall.

    ► Wird eine Organisation zum Verdachtsfall erklärt, so ist dies – wenn auch nur sehr eingeschränkt – möglich. Beispielsweise ist dann eine Observation gestattet, ebenso das Einholen bestimmter Informationen von Behörden. Sogenannte V-Leute und die Überwachung von Telekommunikation kommen aber auch hier nicht zum Einsatz.


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    ► Der Berliner Clan-Chef Arafat Abou-Chaker ist am Dienstag festgenommen und in Untersuchungshaft genommen worden. Laut Medienberichten wurde er nach einem Prozesstermin am Dienstagmittag direkt aus dem Gerichtssaal abgeführt.

    ► Wie der “Spiegel” berichtet, gab es bereits seit längerem verdeckte Ermittlungen gegen den ehemaligen Geschäftspartner des Rappers Bushido.

    ► Die “Bild”-Zeitung berichtet, dass die Staatsanwaltschaft dem Clan-Chef vorwerfe, Leute gesucht zu haben, die Bushidos Kinder oder seine Frau entführen.

    Was ihr noch wissen müsst:

    Rapper Bushido war 14 Jahre Mitglied des Abou-Chaker-Clans. Bereits in der Vergangenheit war es zu Streitigkeiten zwischen Rapper Bushido und Arafat Abou-Chaker, dem Anführer des Clans, gekommen.

    Nach jahrelanger Zusammenarbeit kehrte der Rapper der Großfamilie den Rücken und suchte Schutz bei einem anderen Clan.

    In einem Interview mit dem “Stern” sprachen Rapper Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi bereits offen über ihre Vergangenheit: 14 Jahre lang zählten die beiden zum Umfeld des Abou-Chaker-Clans, einer deutsch-arabischen Großfamilie, die organisierte Kriminalität betreibt.


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    Katie Reilly kannte ihre Mutter als selbstbewusste und unabhängige Frau – bis sie plötzlich die Krankheit ALS bekam, die das Gehirn ihrer Mutter zerstörte. Hier erzählt Katie von dem Krankheitsprozess und wie schwer es für sie war, ihre Mutter dabei zu begleiten. 

    Im Mai 2009 bekam ich Besuch von meiner Mutter. Ich stand damals kurz vor dem Abschluss meines Jurastudiums. Mein Vater und meine Schwestern wollten ein paar Tage später nachkommen. Am Tag nach ihrer Ankunft traf ich mich mit meiner Mutter zum Mittagessen.

    Meine Mutter hatte in den letzten Monaten verschiedene medizinische Untersuchungen durchführen lassen, weil ihre Aussprache in den vergangenen Jahren immer undeutlicher geworden war und weil mit der Zeit noch
    weitere eigenartige Symptome bei ihr aufgetreten waren.

    Als ich sie fragte, ob die Ärzte die Ursache für ihre Symptome herausgefunden hätten, platzte sie damit heraus: “Die Neurologen glauben, dass ich an ALS [Amyotrophe Lateralsklerose] leide. Ich habe Angst, daran sterben zu müssen. Irgendwann werde ich nicht mehr richtig sprechen und nicht mehr alleine essen können... Ich werde nie auf deiner Hochzeit sein.”

    Meine Mutter war immer taffer als andere Mütter 

    Ich erstarrte auf meinem Stuhl. Es fiel mir schwer, diese Worte zu begreifen. Und ich kann bis heute nicht vergessen, wie meine Mutter an diesem Tag aussah: Sie hatte erschreckend viel Gewicht verloren und die Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben.

    Bei ALS handelt es sich laut der ALS Association um eine “progressive neurodegenerative Krankheit, die die Nervenzellen im Gehirn und im Rückenmark befällt.” Um verstehen zu können, wie sehr es meine Familie
    erschüttert hat, dass meine Mutter Sarah mit ALS diagnostiziert wurde, muss man erst einmal verstehen, welcher Mensch sie eigentlich war.

    Mein ganzes Leben lang war meine Mutter immer schon vollkommen anders
    als alle anderen Mütter, die ich kannte. Sie war eine der wenigen Partnerinnen in ihrer Anwaltskanzlei in Washington, D.C., und außerdem eine der wenigen Mütter in einer Führungsposition.

    In der Grundschule stellte sie mich vor meinen Freunden bloß, indem sie lauthals den Refrain von “Let’s Talk About Sex” von Salt- N-Pepa trällerte. Sie kam immer zu spät und manchmal ließ sie ihre New Yorker Wurzeln durchblitzen, indem sie Taxifahrern den Mittelfinger zeigte, wenn sie mich zur Schule brachte.

    Meine Mutter hatte immer so unbesiegbar gewirkt 

    Sie war klein, aber sportlich und zäh. Ich kann die wenigen Male, die ich sie weinen gesehen habe, an einer Hand abzählen. Und ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, an dem ich endlich alt genug war, um sie in Lauf- oder Schwimmwettbewerben zu schlagen. Der Satz, den wir am häufigsten von ihr zu hören bekamen, lautete: “Reilly, du laberst doch nur Mist.”

    Diese Aussage war an meinen Vater gerichtet und fiel für gewöhnlich, wenn
    die beiden über Politik diskutierten. Ich konnte einfach nicht glauben, dass jemand wie meine Mutter, die scheinbar so unbesiegbar und voller Leben war, sich jetzt mit einer Krankheit auseinandersetzen musste, die sie
    in wenigen Jahren umbringen würde. Wenn nicht sogar noch schneller.

    “Mein Vater erinnerte sich voller Kummer daran, wie ein kaltschnäuziger Neurologe meinen Eltern schadenfroh zugerufen hatte ‘Sie hat ALS!’, nachdem er endlichherausgefunden hatte, was mit ihr los war.”

    Schon bald wusste ich alles über ALS 

    Als ich von der Diagnose meiner Mutter erfuhr, wusste ich wie die meisten Menschen so gut wie nichts über ALS. Wenige Wochen vor dem Wochenende meiner Abschlussfeier hatte mein Vater darauf bestanden, mich mit meinem Auto von meiner Universität in Indiana abzuholen und mich zurück nach Washington, D.C., zu bringen.

    Angesichts meines Alters hielt ich diesen Vorschlag für lächerlich. Doch als er mich in meinem Auto nach Hause fuhr, weinte ich die ganze Fahrt über. “Katie, bitte. Vergiss nicht, zwischendrin zu atmen”, forderte mein Vater mich immer wieder auf, während ich jeden einzelnen Artikel über ALS las, den ich auf Google finden konnte.

    Er erzählte mir im Detail, wie schmerzhaft der Ausschlussprozess gewesen war, den meine Eltern bis zur endgültigen Diagnose über sich ergehen lassen mussten. Er erinnerte sich voller Kummer daran, wie ein kaltschnäuziger Neurologe meinen Eltern schadenfroh zugerufen hatte ‘Sie hat ALS!’, nachdem er endlich herausgefunden hatte, was mit ihr los war.

    Ich hoffte, dass meine Mutter ALS besiegen würde 

    Mein Vater versprach mir, dass wir eine Lösung finden würden.
    “Diese Menschen kennen meine Mutter offensichtlich überhaupt nicht. Sie wird diese Krankheit besiegen”, sagte ich entschlossen.

    Der Zeitpunkt der Diagnose meiner Mutter war insofern günstig, als dass ich vor kurzem als Associate in einer New Yorker Anwaltskanzlei beurlaubt worden war. Dadurch konnte ich bei meinen Eltern einziehen. Bevor ich von der ALS Erkrankung meiner Mutter erfahren hatte, war eine schwere Trennung der schlimmste Kummer, den ich in meinem ganzen Leben durchgemacht hatte.

    Ich hatte bisher noch gar keine persönlichen Erfahrungen mit dem Tod gemacht, da alle meine Großeltern noch vor meinem ersten Lebensjahr verstorben waren und da ich auch in meinem engeren Bekanntenkreis noch nie einen Todesfall miterleben musste.

    Anfangs wollte meine Mutter mit niemandem außer den engsten Familienmitgliedern und ein paar sehr guten Freunden der Familie über die Diagnose sprechen. Wir klammerten uns verzweifelt an die Hoffnung, dass alles
    nur ein Missverständnis war. Deshalb behielten wir die Neuigkeit für uns und weihten nur ganz wenige Menschen ein, wenn dies für meine Mutter in Ordnung war.

    Ich dachte, wir würden kämpfen und gewinnen

    Es fühlte sich wie eine schwere Decke aus Scham an. Obwohl ich wusste, dass es überhaupt nicht logisch war, glaubte ich monatelang fest daran, dass sie diese unheilbare Krankheit irgendwie besiegen würde. Wir würden uns einfach als Familie zurückziehen und Informationen sammeln. Und dann würden wir kämpfen und gewinnen.

    Meine Mutter war immer so fröhlich, selbstbewusst und unabhängig. 

    Als wir Monate später die Symptome meiner Mutter nicht mehr verbergen konnten, begann ich nach und nach auch meinen Freunden von ihrer Diagnose zu erzählen. Die meisten Leute wussten nicht, was ALS genau ist und was es mit den Betroffenen macht. Deshalb erklärte ich ihnen im Detail, wie meine Mutter sterben würde: Sie würde ihre Fähigkeit zu sprechen verlieren und irgendwann auch nicht mehr selbst atmen können, weil ihre Muskeln langsam verkümmern würden.

    Ihre kognitiven Fähigkeiten würden dabei jedoch erhalten bleiben. Während ich diese Worte laut aussprach, fühlte ich mich zunehmend allein. Denn mir wurde klar, dass keiner wusste oder wirklich verstand, in welcher Situation wir uns befanden. Jedes einzelne Wort meiner Erklärung tat mir körperlich weh.

    Irgendwann konnte meine Mutter nicht mehr sprechen 

    Wenn meine Freunde mich dann fragten, was wir dagegen unternehmen würden, musste ich das Gespräch meist mit der Erklärung beenden, dass es keine Heilung für die Krankheit gab. Im Laufe der Zeit konnte meine Mutter immer schlechter sprechen. Anfangs dolmetschte ich für sie, da immer mehr Menschen sie nicht mehr richtig verstehen konnten.

    Ich war stolz darauf, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Und trotz der schrecklichen Traurigkeit, die ich spürte, hatte ich den Eindruck, dass meine Mutter und ich durch ihre Krankheit noch enger miteinander verbunden waren als je zuvor.

    Dass ich ihre undeutliche Sprache verstehen konnte und sie anderen verdeutlichen konnte, war meiner Meinung nach ein Beweis für diese Tatsache. Als meine Mutter dann gar nicht mehr sprechen konnte und ich meine Rolle als Dolmetscherin nicht mehr ausüben konnte, kam ich mir wie eine Versagerin vor.

    Ihre Niedergeschlagenheit darüber, dass sie nicht mehr mit anderen kommunizieren konnte, machte mir sehr zu schaffen. Dass sie nicht mehr sprechen konnte, isolierte sie noch mehr. Ich begann, das Geräusch des Gerätes zu hassen, das sie verwenden musste, um es für sie sprechen zu lassen.

    Eines blieb gleich: Sie war immer noch die Frau, die ich kannte und liebte

    Meine Mutter litt an der bulbären Verlaufsform von ALS, bei der die Muskeln im Gesicht, am Hals und am Oberkörper befallen werden und die meist schneller voranschreitet als die spinale Verlaufsform. Nachdem meine Mutter nicht mehr sprechen konnte, waren ihre Fähigkeit zu atmen und zu schlucken die nächsten Opfer, die die permanent in ihr wütende Krankheit erforderte.

    Meine Mutter war immer stärker auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Es kam immer häufiger vor, dass mein Vater, meine Mutter und ich beim Abendessen saßen und meine Mutter sich plötzlich verschluckte oder Wasser ausspuckte. Bald wurde klar, dass sie eine Magensonde brauchte, um weiterleben zu können.

    Sie nahm immer weiter ab, konnte kaum mehr atmen und sabberte unkontrolliert. Doch obwohl all diese Dinge mit ihr passierten, blieb sie stets die Frau, die ich kannte und liebte. Ihr Charakter und ihre Seele leuchteten immer noch. Als wir eines Tages Besuch von einer Freundin bekamen, schrieb meine
    Mutter einen Zettel mit dem Satz: “In China gilt es als höflich, auszuspucken.”

    Als ihre Freundin ankam, steckte sie ihr den Zettel zu.

    Trotz allem wollte sie unabhängig bleiben

    In der Zeit, in der meine Mutter krank war, besuchte ich einmal einen Freund, der ein Haus in Nicaragua gemietet hatte. Dort lernte ich einen Iren kennen, der mir gefiel (und der inzwischen mein Mann ist.) Wenige Monate später reiste ich erneut nach Nicaragua, um ihn zu besuchen. Ich war mir sicher, dass meine Eltern den wahren Grund für meine Reise nicht einmal erahnten. Doch bevor ich mich auf den Weg zum Flughafen machte, entdeckte ich eine Notiz von meiner Mutter an meinem Koffer.

    Auf dem Zettel stand: “Wer ist der Kerl?” Daneben hatte sie einen lachenden Smiley gemalt. Sie fuhr noch bis kurz vor ihrem Tod selbst Auto. Inzwischen ist mir jedoch klar, dass das ziemlich gefährlich war. Sie wollte damit beweisen, wie
    entschlossen sie war, trotz der schrecklichen Umstände um ihre Unabhängigkeit zu kämpfen.

    Der Kampf meiner Mutter gegen ALS ging weiter und zerstörte unser komplettes Familienleben. Dies galt vor allem für meinen Vater und mich, da wir uns am meisten um meine Mutter kümmerten. Unser Haus füllte sich
    zunehmend mit verschiedenen Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Diätprodukten und medizinischen Geräten, die wir für ihre Krankheit brauchten.

    Wir suchten unermüdlich verschiedene Ärzte und Berater auf, um uns über neue Medikamente oder alternative Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, die meiner Mutter vielleicht ein wenig Hoffnung geben konnten oder die zumindest ihre Symptome ein bisschen lindern würden.

    Aus einer fröhlichen Person wurde eine mürrische und depressive

    Doch jedes Mal, wenn wir uns an eine neue unerwünschte Veränderung gewöhnt hatten, trat plötzlich noch eine viele größere ein. Und obwohl wir unsere Hoffnung nicht aufgeben wollten, begann uns die Krankheit immer
    weiter zu zermürben.

    Bald darauf begann sich auch die Stimmung meiner Mutter zu verändern. Die Frau, die früher das Haus mit dem schallendsten Gelächter der Welt erfüllt hatte, war jetzt plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen. Sie war mürrisch, depressiv und in sich gekehrt. Es war eine unheilvolle Stille.

    Im Juni 2010 ― ungefähr ein Jahr, nachdem wir von ihrer ALS-Diagnose erfahren hatten ― nahm meine Mutter an der Hochzeit meiner Schwester teil. Körperlich erkannte man sie inzwischen nicht mehr wieder. Einen Monat später fiel ihr das Atmen so schwer, dass wir sie in die Notaufnahme bringen mussten.

    Dort erfuhren wir, dass sie an einer Lungenentzündung litt. In der ersten Zeit im Krankenhaus gingen wir noch davon aus, dass wir sie wieder mit nach Hause nehmen würden. Die Ärzte sagten uns jedoch, dass dies nicht möglich sei. Sie nannten uns allerdings keinen speziellen Grund dafür.

    Wir konnten nichts tun, als ihr beim Sterben zuzusehen 

    Meine ganze Familie wünschte sich, dass sie im Kreis ihrer Familie an einem Ort sterben konnte, den sie liebte. Doch tragischerweise passierte dies nicht. Als die Ärzte uns vor das Ultimatum stellten, entweder einem Luftröhrenschnitt zuzustimmen oder meiner Mutter beim Sterben zuzusehen, war uns klar, dass diese Entscheidung bereits gefallen war.

    Meine Mutter wollte nicht auf ein Tracheostoma oder einen Rollstuhl angewiesen sein, bevor sie endlich sterben würde. Da sie jedoch immer eine gesunde und aktive Frau gewesen war, trat ihr Tod nicht schnell ein. Die Tage vergingen und wir wussten, dass sie bald sterben würde. Doch wir konnten nichts anderes tun, als ihr dabei zuzusehen, wie sie sich langsam ― viel zu langsam ― auf das Ende ihres Lebens zu bewegte.

    Irgendwann baten wir die Betreuer ihres Palliativpflegeteams, ihr Morphium zu verabreichen. Ihre Schmerzen konnten dadurch gelindert werden. Die Tage vergingen und wir wussten, dass sie bald sterben würde. Doch wir konnten
    nichts anderes tun, als ihr dabei zuzusehen, wie sie sich langsam ― viel zu langsam ― auf das Ende ihres Lebens zu bewegte.

    Es dauerte eine Stunde, dann hörte sie auf zu atmen 

    Nachdem meine Mutter seit fast zwei Wochen im Krankenhaus war, beschlossen meine Schwestern, nach Hause zu fahren und dort zu übernachten. Deshalb waren nur noch mein Vater und ich im Krankenzimmer meiner Mutter. Irgendwann legte ich mich auf den Boden, um dort ein wenig zu schlafen.

    Ich erinnere mich noch immer an das lange, schwarze Bandeau-Kleid, das ich damals anhatte und das ich in dem extrem heruntergekühlten Krankenzimmer als Decke zu benutzen versuchte. Gegen zwei Uhr nachts wachte ich plötzlich auf und sah meinen Vater neben dem Bett meiner Mutter stehen. Er war sichtbar aufgewühlt.

    “Uns bleibt nicht mehr viel Zeit”, sagte er zu mir. Ich stand auf und setzte mich neben meine Mutter ans Bett, damit mein Vater sich ein wenig ausruhen konnte. Ich hielt ihre Hand und beobachtete ihr Gesicht. Es dauerte ungefähr eine Stunde, bis ihr Atem immer langsamer wurde und schließlich ganz aussetzte.

    ALS ist eine extrem grausame Krankheit 

    Sechzehn Monate nach ihrer Diagnose verloren wir meine Mutter an ALS.
    ALS ist eine extrem grausame Krankheit. Deshalb habe ich dafür gekämpft, meine Mutter als die Frau in Erinnerung zu behalten, die sie vor ihrer Erkrankung war.

    Ich wollte mich nicht daran erinnern, was die Krankheit aus ihr gemacht hatte oder dass sie sie uns letzten Endes sogar ganz weggenommen hatte. Nach ihrem Tod erinnerte mich mein Vater daran, dass “ALS nicht ihr ganzes Leben bestimmt hatte.” Und er hatte recht.

    Meine Mutter hatte ein großartiges Leben gehabt. Sie war beruflich sehr erfolgreich gewesen und hatte eine Familie und Freunde gehabt, die sie unglaublich geliebt haben. ALS hat jedoch darüber entschieden, wann und
    wie sie sterben sollte. Die Krankheit hatte ihr Gehirn zerstört, ihre Muskeln verkümmern lassen und ihr ihr Glück geraubt.

    Für mich war es sehr schwer, mich an die guten Zeiten zu erinnern, die wir erlebt hatten, bevor die Krankheit alles verändert hatte. ALS erforderte auch von meinem Vater einen enormen Tribut. Eineinhalb Jahre nach dem Tod meiner Mutter wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Sein Onkologe erklärte ihm, dass die Krankheit vermutlich dadurch beschleunigt worden war, dass ihn die Pflege meiner Mutter emotional und körperlich extrem beansprucht hatte.

    Nach dem Tod kamen die Schuldgefühle 

    Mein Vater machte eine Chemotherapie, doch als der Krebs nach nicht einmal zwei Jahren wieder zurückkehrte, verstarb er innerhalb von wenigen Monaten ― und zwar ausgerechnet am Geburtstag meiner Mutter. Durch die Krankheit meines Vaters, seinen darauffolgenden Tod und meine Umgangsweise mit meiner Trauer dauerte es sehr lange, bis ich meine Erfahrungen mit ALS verarbeiten konnte.

    Ich kämpfte mit Schuldgefühlen, weil ich glaubte, dass ich mehr hätte tun müssen, um meiner Mutter zu helfen. Auch wenn ich wusste, dass es
    nichts gab, was ich hätte tun können. Ich war permanent von Wut und Trauer erfüllt. Und ich hatte oft das Gefühl, dass es niemanden gab, mit dem ich über meine Erinnerungen an die Geschichte hätte reden können, die mich verfolgten.

    Ich setzte mich unter Druck, den Tod meiner Mutter anzunehmen, weniger um sie zu trauern und weiterzugehen. Deshalb stürzte ich mich in die Arbeit, machte viele Überstunden und versuchte, irgendwie zurechtzukommen. Mit der Zeit begann ich zu glauben, dass meine Erlebnisse mit ALS es nicht einmal wert
    waren, erzählt zu werden.

    Wir müssen Erinnerungen und Trauer zulassen 

    Doch vor allem seit der Geburt meiner Tochter vor eineinhalb Jahren habe ich in letzter Zeit damit begonnen, häufiger über meine Erfahrungen mit der ALS-Erkrankung meiner Mutter zu sprechen. Mit der Zeit lerne ich, mich vor diesen schwierigen Erinnerungen nicht mehr zu verstecken. Und ich akzeptiere allmählich die Veränderungen, die ich als Angehörige einer ALS-Erkrankten durchgemacht habe.

    Meine Trauer ist noch immer Teil meines Lebens. Doch zum ersten Mal seit vielen Jahren erinnere ich mich vereinzelt auch wieder an Momente mit meiner Familie, die vor dem Auftreten von ALS passiert sind. Ganz selten kann ich sogar fast das Lachen meiner Mutter hören, das so laut war, dass es jeden Raum erfüllt hat, in dem sie sich befand.

    Momentan leiden ungefähr 30.000 Amerikaner an ALS ― das sind in etwa 0,009 Prozent der Weltbevölkerung. Dass ALS eine extrem seltene Krankheit ist und dass in der Öffentlichkeit nur sehr wenig darüber bekannt ist, hat meine Familie in der Krankheitsphase meiner Mutter sehr isoliert. Und es hat anschließend auch dazu geführt, dass ich mich sehr vor anderen Menschen zurückgezogen habe.

    Ich hoffe, dass ich mit meinem Bericht über ALS das öffentliche Bewusstsein dafür erhöhen kann, wie grausam diese Krankheit ist, die meiner Mutter das Leben genommen hat. Und vielleicht kann ich damit ja auch anderen Betroffenen helfen, die einen ALS-Erkrankten gepflegt haben oder noch pflegen.

    Ich hoffe, dass sie sich durch meine Erzählung auf ihrem Weg mit ALS vielleicht ein bisschen weniger alleingelassen fühlen.

    Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

    (ame)


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